...für alle, die sich fragen, warum die Welt so ist, wie sie ist, und warum die Rechten derzeit weltweit wieder Oberwasser haben:
https://m.bazonline.ch/articles/20981022
Schnappatmung garantiert.
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Montag, 14. Januar 2019
Mittwoch, 19. September 2018
Lesetipp
...für alle, die immer noch meinen, die AfD wäre eine ganz normale Partei und man könne die einfach "mal so" wählen, um"denen da oben" eins auszuwischen:
http://www.schleckysilberstein.com/2018/09/ein-hauch-von-33-und-plotzlich-stehen-sie-vor-deiner-tur/
AfD und Co. geht es nur vordergründig um "die Rettung der Deutschen" vor den Ausländern und dem Islam. In Wirklichkeit geht es ihnen um den Umbau des Staates. Und dann ist genau das zu erwarten, wovor die AfD uns angeblich gerne retten möchte: Redeverbote, Denkverbote, "Gleichschaltung" von Medien und Kultur. Erdogan hat's gemacht, Orban hat's gemacht, die Polen machen's, Trump versucht es auch, Hitler hat es vorgemacht, und die AfD macht es heute schon, siehe oben.
Alle, die ihr Angst vor Ausländern, Terroristen oder der Zukunft im allgemeinen habt, berechtigt oder nicht: Das Deutschland, das die AfD bauen möchte, ist ein Land, in dem ihr definitiv nicht leben wollen werdet. DAVOR solltet ihr Angst haben.
Wenn ihr Protest wählen wollt, dann gebt eure Stimme lieber irgendeiner Klein- oder Spaßpartei. In Bayern z.B. ist sogar das Programm der Bayernpartei weniger menschenverachtend als das der AfD.
http://www.schleckysilberstein.com/2018/09/ein-hauch-von-33-und-plotzlich-stehen-sie-vor-deiner-tur/
AfD und Co. geht es nur vordergründig um "die Rettung der Deutschen" vor den Ausländern und dem Islam. In Wirklichkeit geht es ihnen um den Umbau des Staates. Und dann ist genau das zu erwarten, wovor die AfD uns angeblich gerne retten möchte: Redeverbote, Denkverbote, "Gleichschaltung" von Medien und Kultur. Erdogan hat's gemacht, Orban hat's gemacht, die Polen machen's, Trump versucht es auch, Hitler hat es vorgemacht, und die AfD macht es heute schon, siehe oben.
Alle, die ihr Angst vor Ausländern, Terroristen oder der Zukunft im allgemeinen habt, berechtigt oder nicht: Das Deutschland, das die AfD bauen möchte, ist ein Land, in dem ihr definitiv nicht leben wollen werdet. DAVOR solltet ihr Angst haben.
Wenn ihr Protest wählen wollt, dann gebt eure Stimme lieber irgendeiner Klein- oder Spaßpartei. In Bayern z.B. ist sogar das Programm der Bayernpartei weniger menschenverachtend als das der AfD.
Mittwoch, 29. August 2018
Danke, AfD!
Danke, dass du mich an eine grundlegende Maxime der politischen Propaganda erinnert hast:
Nicht jeder, er nett aussieht, ist auch nett.
Denn München ist mal wieder plakatiert bis zum Erbrechen. Gefühlt hat die AfD hier die meisten Plakate geklebt, alle mit Gesichtern. Einge sehen sogar recht sympathisch aus. Und genau da hakt es: Ein netter Mensch kann nie Mitglied, geschweige denn Funktionsträger in dieser Hass&Hetz-Partei sein.
Am freundlichsten schaut dabei ein Kandidat drein, nennen wir ihn mal Mr. Braun. Seine politischen Schwerpunkte liegen lt. AfD-Webseite bei Bildung und - Tusch! - Migration.
In Sachen Bildung tritt er dafür ein, Behinderte und Migranten aus dem generellen Unterricht herauszunehmen und in Sonderschulen zu stecken. Im übrigen befürwortet er Leistungsorientierung, Ordnung und Disziplin im Klassenzimmer.
"Nett", nicht wahr? Erinnert mich im Denkansatz an das Bildungssystem zu NS-Zeiten. Polemisch zugespitzt: Behinderte und Nicht-Deutsche werden zur besonderenVerwendung Beschulung ausgesondert, der Rest wird zu guten Soldaten Leistungserbringern gedrillt, und ab und zu gibt's eins mit dem Rohrstock.
Im Absatz über Migranten fndet sich dann die Behauptung, dass 2017 45% aller Gewalttaten in Bayern von Nicht-Deutschen begangen wurden. Nach schöner AfD-Tradition fehlt für diese Fantasiezahl jeglicher Beleg. Die offizielle Polizeistatistik des CSU-Freistaats (die nicht im Verdacht steht, sonderlich migrantenfreundlich zu sein), spiegelt diese Zahl nicht. Es gab 2017 99.660 "Rohheitsdelikte" (die sind wohl im Wesentlichen gemeint), davon 12.532 von Nicht-Deutschen begangen. Naja, Mathematik ist halt nicht jedermanns Sache.
Im übrigen hätte er seinen Ausführungen folgend Migranten gern assimiliert, m.a.W., die (illusorische und dem menschlichen Empfinden zuwider laufende) vollständige Aufgabe der eigenen kulturellen Identität zugunsten der Kultur des Einwanderungslandes.
Sooo nett ist Mr. Braun.
Was plakatieren die anderen Parteien so? Nach dem, was ich gesehen habe, überbieten sich die andern mal wieder an Einfallslosigkeit:
Die CSU hat lediglich "Bayern.München." auf ihre Plakate geschrieben. Wohl für den Fall, dass ihren Anhängern kurzfristig entfallen ist, wo sie sich befinden. Bei CSU-Wählern kann man nicht vorsichtig genug sein.
Die SPD wartet mit dem Slogan "Zamhalten statt spalten" auf. (Für Nicht-Bayern: "Zamhalten" ist die bavarisierte Form von "Zusammenhalten".) Als wäre die SPD nicht das Paradebeispiel für mangelnden Zusammenhalt und sich-gegenseitig-in-den-Rücken-fallen in der politischen Landschaft Deutschlands. Vielleicht richtet sich die Botschaft ja nicht an die Wähler, sondern nach innen an das SPD-Führungspersonal.
Die FDP hat wieder ihre quietschbunten Plakate mit den Konterfeis nichtssagender junger Männer mit Business-School-Frisuren aufgehängt.
Die Grünen haben sich das total hippe Thema "bezahlbare Wohnungen" auf die Fahne geschrieben.
Dazu kann ich sagen, dass gestern eine TV-Doku über Uschi Obermaier lief. Dort wurden u.a. kurz Bilder einer Demo aus München der frühen 70er Jahre gezeigt, bei der gegen Mietwucher und für bezahlbaren Wohnraum demonstriert wurde. Nur 50 Jahre später sind wir bei dem Thema scheinbar keinen Schritt weiter.
Von andern Parteien hab ich noch nichts gesehen. Vielleicht haben die schon aufgegeben? Ich vermisse ja nach wie vor die Beiträge der Violetten im politischen Diskurs...
Nicht jeder, er nett aussieht, ist auch nett.
Denn München ist mal wieder plakatiert bis zum Erbrechen. Gefühlt hat die AfD hier die meisten Plakate geklebt, alle mit Gesichtern. Einge sehen sogar recht sympathisch aus. Und genau da hakt es: Ein netter Mensch kann nie Mitglied, geschweige denn Funktionsträger in dieser Hass&Hetz-Partei sein.
Am freundlichsten schaut dabei ein Kandidat drein, nennen wir ihn mal Mr. Braun. Seine politischen Schwerpunkte liegen lt. AfD-Webseite bei Bildung und - Tusch! - Migration.
In Sachen Bildung tritt er dafür ein, Behinderte und Migranten aus dem generellen Unterricht herauszunehmen und in Sonderschulen zu stecken. Im übrigen befürwortet er Leistungsorientierung, Ordnung und Disziplin im Klassenzimmer.
"Nett", nicht wahr? Erinnert mich im Denkansatz an das Bildungssystem zu NS-Zeiten. Polemisch zugespitzt: Behinderte und Nicht-Deutsche werden zur besonderen
Im Absatz über Migranten fndet sich dann die Behauptung, dass 2017 45% aller Gewalttaten in Bayern von Nicht-Deutschen begangen wurden. Nach schöner AfD-Tradition fehlt für diese Fantasiezahl jeglicher Beleg. Die offizielle Polizeistatistik des CSU-Freistaats (die nicht im Verdacht steht, sonderlich migrantenfreundlich zu sein), spiegelt diese Zahl nicht. Es gab 2017 99.660 "Rohheitsdelikte" (die sind wohl im Wesentlichen gemeint), davon 12.532 von Nicht-Deutschen begangen. Naja, Mathematik ist halt nicht jedermanns Sache.
Im übrigen hätte er seinen Ausführungen folgend Migranten gern assimiliert, m.a.W., die (illusorische und dem menschlichen Empfinden zuwider laufende) vollständige Aufgabe der eigenen kulturellen Identität zugunsten der Kultur des Einwanderungslandes.
Sooo nett ist Mr. Braun.
Was plakatieren die anderen Parteien so? Nach dem, was ich gesehen habe, überbieten sich die andern mal wieder an Einfallslosigkeit:
Die CSU hat lediglich "Bayern.München." auf ihre Plakate geschrieben. Wohl für den Fall, dass ihren Anhängern kurzfristig entfallen ist, wo sie sich befinden. Bei CSU-Wählern kann man nicht vorsichtig genug sein.
Die SPD wartet mit dem Slogan "Zamhalten statt spalten" auf. (Für Nicht-Bayern: "Zamhalten" ist die bavarisierte Form von "Zusammenhalten".) Als wäre die SPD nicht das Paradebeispiel für mangelnden Zusammenhalt und sich-gegenseitig-in-den-Rücken-fallen in der politischen Landschaft Deutschlands. Vielleicht richtet sich die Botschaft ja nicht an die Wähler, sondern nach innen an das SPD-Führungspersonal.
Die FDP hat wieder ihre quietschbunten Plakate mit den Konterfeis nichtssagender junger Männer mit Business-School-Frisuren aufgehängt.
Die Grünen haben sich das total hippe Thema "bezahlbare Wohnungen" auf die Fahne geschrieben.
Dazu kann ich sagen, dass gestern eine TV-Doku über Uschi Obermaier lief. Dort wurden u.a. kurz Bilder einer Demo aus München der frühen 70er Jahre gezeigt, bei der gegen Mietwucher und für bezahlbaren Wohnraum demonstriert wurde. Nur 50 Jahre später sind wir bei dem Thema scheinbar keinen Schritt weiter.
Von andern Parteien hab ich noch nichts gesehen. Vielleicht haben die schon aufgegeben? Ich vermisse ja nach wie vor die Beiträge der Violetten im politischen Diskurs...
Mittwoch, 27. Juni 2018
Tatort: Europa, Tatzeit: seit 2015 (oder war es 1945, 1933 oder 1914?)
Die Berichterstattung und die politischen Diskurse, die gerade in Deutschland und Europa geführt werden, können einem den letzten Nerv rauben.
Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge. Als gäbe es keine anderen Themen mehr.
Gerade meinte Alexander Gauland im TV, die AfD sei keine rechte Partei, und an Provokationen aus seinen Reihen könne er sich nicht erinnern. Und der hat die Stirn, anderen vorzuwerfen, Fake News zu produzieren? Die AfD, wir erinnern uns, ist die Partei, deren Mitglieder und Führungspersonal immer wieder mit rechten und Nazi-Parolen auf sich aufmerksam machen, und danach immer weinen, sie seien ganz, ganz schrecklich mißverstanden worden.
Wir müssen uns doch einmal klar machen, was wir aufgeben, wenn wir Quoten einführen, Grenzen dichtmachen, uns gegen "den Islam" positionieren: Nichts weniger als unsere Menschlichkeit, unsere freiheitlichen Werte, unser Grundgesetz und letztlich unsere Art zu leben stehen auf dem Prüfstand.
Gibt es denn wirklich jemanden, der mit Bildern ertrunkener Kinder an griechischen Stränden, vergewaltigten und hungernden Flüchtlingen in nordafrikanischen Konzentrationslagern, die mit EU-Geldern errichtet wurden, besser leben kann, als wenn derselbe Flüchtling nebenan einzieht? Gibt es wirklich eine Mehrheit, die sich nach Grenzkontrollen und Geldumtausch zurücksehnt? Gibt es jemanden, der leugnet, Deutschland ginge es wirtschaftlich auch deswegen so gut, weil es vom Freihandel innerhalb der EU profitiert? Genau wie der Wohlstand der EU zu einem guten Teil darauf basiert, dass Länder in Afrika und Asien ausgebeutet und deren Wirtschaftskraft ausgebootet werden, und dass die Wirtschaftsflüchtlinge, die aus diesen Ländern zu uns kommen, zum Teil auf Kosten unseres Wohlstands zu Flüchtlingen wurden?
Und jetzt wollen Politiker wie Orban, Le Pen, Söder und wie das rechte Geschmeiß in Europa auch immer heißen mag, dass sich Deutschland und die EU sich ihrer Verantwortung, wirtschaftlich und moralisch, entziehen? Und irgendwelchen nordafrikanischen Regimen Steuergeld in den korrupten Rachen werfen, damit die (auf welche Art auch immer, so genau wollen wir das im Zweifel gar nicht wissen) uns die Flüchtlinge fernhalten? Dieselben Regime, die ihre eigenen Migranten nicht zurückhaben wollen, und in deren Hotelbunkern wir Billigurlaub machen?
Wie feige, heuchlerisch und abgefeimt ist das denn?
Selbst wenn man der Meinung ist, dass das, was diese Politiker derzeit betreiben, sei rechtens und gut für unser Land und die EU, man darf doch nicht vergessen, was das für Politiker sind, denen wir damit den Rücken stärken. Denen geht und ging es noch nie um die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bürger, nicht einmal derer der eigenen Nation. Orban hat Ungarn in undemokratischer Weise umgebaut, hat die Pressefreiheit und die Justiz eingeschränkt, in erster Linie, um in autokratischer Weise seine Macht zu erhalten und Freunden und Familie die Taschen zu füllen, dabei aber immer fleißig Hilfsgelder aus der von ihm gescholtenen EU zu ziehen. Für eine ähnliche Politik wird Erdogan von uns gescholten, Putin gefürchtet und Trump verspottet.
Und Orban? Findet dafür in ganz Europa am rechten Rand Freunde und Nachahmer. Warum, zum Teufel? Ist denn den einfachen Bürgern noch immer nicht klar, dass Parteien wie Fisdesz, PIS und AfD vor allem ihre eigene Macht um jeden Preis erhalten wollen, um im zweiten Schritt Bürgerrechte zu beschneiden? Die bei ihrem Kampf für die angeblich "unterdrückte Meinung" mit ihrem Opfer-Gehabe eigentlich nur die Einschränkung der Meinungsfreiheit all derer im Visier haben, die nicht ihrer Meinung sind?
Keinem Rentner, keinem Arbeitslosen, keiner Alleinerziehenden und keinem gesetzlich Krankenversicherten wird es besser gehen, weil keine Einwanderer mehr ins Land kommen. Im Gegenteil, geht es nach Parteien wie der AfD, sind genau die eben Genannten die nächsten auf der "Abschussliste".
Heißt es heute noch aus der rechten Ecke "dem Flüchtling wird alles hintenreingesteckt" und "die arme, alleinerziehende Mutter muss darben", wird es dann wieder heißen "dem "Hartzer wird alles hintenreingesteckt" und "soll die Alleinerziehende halt arbeiten gehen". Die Rechte war sich noch nie zu fein dafür, neue Feindbilder zu finden und Bevölkerungsschichten am unteren Rand gegeneiander zu hetzen, während man sich "oben" ins Fäustchen lacht und die Taschen füllt.
Sind denn wirklich alle so erpicht darauf, Freiheit abzugeben, um wieder in Staaten zu leben, wo Repressalien an der Tagesordnung sind, wo man im Knast landen kann, weil man seine Meinung öffentlich sagt? Sehnt sich Osteuropa, sehnen wir uns nach den Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur und der "Diktatur des Proletariats" wirklich wieder nach einem antidemokratischen System mit Geheimpolizei, geschlossenen Grenzen und Denkverboten?
Denn machen wir uns nichts vor: Das ist genau das, was uns blüht, wenn die Nationalisten sich in Europa mit ihrer Politik durchsetzen. Nationalismus beginnt und endet immer in einem "wir gegen die", was in der Vergangenheit häufig Krieg bedeutet hat. Man kann von der EU halten, was man will, aber diese aus den Trümmern des zweiten Weltkriegs hervorgegangene Organisation sichert seit 70 Jahren den Frieden in Europa. Und wenn die EU das macht, in dem sie uns die Krümmung der Gurken vorschreibt, dann sag ich dafür artig "danke schön", denn das ist ein geringer Preis für Frieden.
Und noch eine Absurdität möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die AfD ist in Teilen aus der FDP hervorgegangen, andere Mitglieder stammen aus der CDU/CSU-Ecke. Das Führungspersonal besteht zu einem großen Teil aus Juristen, einige sind katholisch-wertkonservativ, einige Mitglieder der von-Hayek-Gesellschaft.
Die deutsche Gesellschaft hat sich in großen Teilen zu Recht von dem Weltbild, das diese Herrschaften mit sich herumtragen und das sie vertreten, verabschiedet. Die FDP wurde abgewählt, der Katholizismus ebenso, und obwohl die hayeksche Wirtschaftslehre die deutsche Wirtschaftspolitik weiter nachhaltig prägt, wird das darin vermittelte, inhumane Menschenbild doch von den meisten Menschen abgelehnt, zumindest meiner Erfahrung nach. Das hat Deutschland zu einem humaneren, lebenswerteren und wohlhabenden Land gemacht.
Wieso also sollen jetzt die Uhren zurückgedreht werden? Wieso wehren sich dagegen so wenige laut? Wieso reden wir nicht mehr über Altersarmut, Pflegenotstand, Umweltzerstörung und Klimawandel, Atomkraft und Energiepolitik, Waffenexporte, bezahlbare Bildung für alle, Überwachungsstaat und Geheimdienste, rechten Terrorismus, Hartz4, Gentrifizierung und Wohnungsnot, Mobilität, Automatisierung und Bürgerrechte in der Welt von morgen, über Weltfrieden oder das Streben nach Glück und Zufriedenheit? Warum sind "Flüchtlinge" nun schon seit Jahren das dominierende Thema, was noch dazu eins ist, das die wenigsten Menschen direkt tangiert? Warum lassen wir es als Gesellschaft zu, dass uns der rechte Rand und auflagenfixierte Medien uns mittels Angstkampagnen immer wieder diese Debatte aufzwingen?
Und auch an das hier sei erinnert:
An Buffets Zitat muss ich immer dann denken, wenn mal wieder Bevölkerungsgruppen aus der unteren Hälfte der Gesellschaftspyramide gegeneinander in Stellung gebracht werden.
P.S.: Falls sich jemand von meinen Äußerungen beleidigt fühlt, dem sei schon einmal vorsorglich mitgeteilt, dass er mich sicher mißverstanden hat, weil mir die Maus ausgerutscht ist usw.
Ehrlich wahr.
Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge. Als gäbe es keine anderen Themen mehr.
Gerade meinte Alexander Gauland im TV, die AfD sei keine rechte Partei, und an Provokationen aus seinen Reihen könne er sich nicht erinnern. Und der hat die Stirn, anderen vorzuwerfen, Fake News zu produzieren? Die AfD, wir erinnern uns, ist die Partei, deren Mitglieder und Führungspersonal immer wieder mit rechten und Nazi-Parolen auf sich aufmerksam machen, und danach immer weinen, sie seien ganz, ganz schrecklich mißverstanden worden.
Wir müssen uns doch einmal klar machen, was wir aufgeben, wenn wir Quoten einführen, Grenzen dichtmachen, uns gegen "den Islam" positionieren: Nichts weniger als unsere Menschlichkeit, unsere freiheitlichen Werte, unser Grundgesetz und letztlich unsere Art zu leben stehen auf dem Prüfstand.
Gibt es denn wirklich jemanden, der mit Bildern ertrunkener Kinder an griechischen Stränden, vergewaltigten und hungernden Flüchtlingen in nordafrikanischen Konzentrationslagern, die mit EU-Geldern errichtet wurden, besser leben kann, als wenn derselbe Flüchtling nebenan einzieht? Gibt es wirklich eine Mehrheit, die sich nach Grenzkontrollen und Geldumtausch zurücksehnt? Gibt es jemanden, der leugnet, Deutschland ginge es wirtschaftlich auch deswegen so gut, weil es vom Freihandel innerhalb der EU profitiert? Genau wie der Wohlstand der EU zu einem guten Teil darauf basiert, dass Länder in Afrika und Asien ausgebeutet und deren Wirtschaftskraft ausgebootet werden, und dass die Wirtschaftsflüchtlinge, die aus diesen Ländern zu uns kommen, zum Teil auf Kosten unseres Wohlstands zu Flüchtlingen wurden?
Und jetzt wollen Politiker wie Orban, Le Pen, Söder und wie das rechte Geschmeiß in Europa auch immer heißen mag, dass sich Deutschland und die EU sich ihrer Verantwortung, wirtschaftlich und moralisch, entziehen? Und irgendwelchen nordafrikanischen Regimen Steuergeld in den korrupten Rachen werfen, damit die (auf welche Art auch immer, so genau wollen wir das im Zweifel gar nicht wissen) uns die Flüchtlinge fernhalten? Dieselben Regime, die ihre eigenen Migranten nicht zurückhaben wollen, und in deren Hotelbunkern wir Billigurlaub machen?
Wie feige, heuchlerisch und abgefeimt ist das denn?
Selbst wenn man der Meinung ist, dass das, was diese Politiker derzeit betreiben, sei rechtens und gut für unser Land und die EU, man darf doch nicht vergessen, was das für Politiker sind, denen wir damit den Rücken stärken. Denen geht und ging es noch nie um die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bürger, nicht einmal derer der eigenen Nation. Orban hat Ungarn in undemokratischer Weise umgebaut, hat die Pressefreiheit und die Justiz eingeschränkt, in erster Linie, um in autokratischer Weise seine Macht zu erhalten und Freunden und Familie die Taschen zu füllen, dabei aber immer fleißig Hilfsgelder aus der von ihm gescholtenen EU zu ziehen. Für eine ähnliche Politik wird Erdogan von uns gescholten, Putin gefürchtet und Trump verspottet.
Und Orban? Findet dafür in ganz Europa am rechten Rand Freunde und Nachahmer. Warum, zum Teufel? Ist denn den einfachen Bürgern noch immer nicht klar, dass Parteien wie Fisdesz, PIS und AfD vor allem ihre eigene Macht um jeden Preis erhalten wollen, um im zweiten Schritt Bürgerrechte zu beschneiden? Die bei ihrem Kampf für die angeblich "unterdrückte Meinung" mit ihrem Opfer-Gehabe eigentlich nur die Einschränkung der Meinungsfreiheit all derer im Visier haben, die nicht ihrer Meinung sind?
Keinem Rentner, keinem Arbeitslosen, keiner Alleinerziehenden und keinem gesetzlich Krankenversicherten wird es besser gehen, weil keine Einwanderer mehr ins Land kommen. Im Gegenteil, geht es nach Parteien wie der AfD, sind genau die eben Genannten die nächsten auf der "Abschussliste".
Heißt es heute noch aus der rechten Ecke "dem Flüchtling wird alles hintenreingesteckt" und "die arme, alleinerziehende Mutter muss darben", wird es dann wieder heißen "dem "Hartzer wird alles hintenreingesteckt" und "soll die Alleinerziehende halt arbeiten gehen". Die Rechte war sich noch nie zu fein dafür, neue Feindbilder zu finden und Bevölkerungsschichten am unteren Rand gegeneiander zu hetzen, während man sich "oben" ins Fäustchen lacht und die Taschen füllt.
Sind denn wirklich alle so erpicht darauf, Freiheit abzugeben, um wieder in Staaten zu leben, wo Repressalien an der Tagesordnung sind, wo man im Knast landen kann, weil man seine Meinung öffentlich sagt? Sehnt sich Osteuropa, sehnen wir uns nach den Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur und der "Diktatur des Proletariats" wirklich wieder nach einem antidemokratischen System mit Geheimpolizei, geschlossenen Grenzen und Denkverboten?
Denn machen wir uns nichts vor: Das ist genau das, was uns blüht, wenn die Nationalisten sich in Europa mit ihrer Politik durchsetzen. Nationalismus beginnt und endet immer in einem "wir gegen die", was in der Vergangenheit häufig Krieg bedeutet hat. Man kann von der EU halten, was man will, aber diese aus den Trümmern des zweiten Weltkriegs hervorgegangene Organisation sichert seit 70 Jahren den Frieden in Europa. Und wenn die EU das macht, in dem sie uns die Krümmung der Gurken vorschreibt, dann sag ich dafür artig "danke schön", denn das ist ein geringer Preis für Frieden.
Und noch eine Absurdität möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die AfD ist in Teilen aus der FDP hervorgegangen, andere Mitglieder stammen aus der CDU/CSU-Ecke. Das Führungspersonal besteht zu einem großen Teil aus Juristen, einige sind katholisch-wertkonservativ, einige Mitglieder der von-Hayek-Gesellschaft.
Die deutsche Gesellschaft hat sich in großen Teilen zu Recht von dem Weltbild, das diese Herrschaften mit sich herumtragen und das sie vertreten, verabschiedet. Die FDP wurde abgewählt, der Katholizismus ebenso, und obwohl die hayeksche Wirtschaftslehre die deutsche Wirtschaftspolitik weiter nachhaltig prägt, wird das darin vermittelte, inhumane Menschenbild doch von den meisten Menschen abgelehnt, zumindest meiner Erfahrung nach. Das hat Deutschland zu einem humaneren, lebenswerteren und wohlhabenden Land gemacht.
Wieso also sollen jetzt die Uhren zurückgedreht werden? Wieso wehren sich dagegen so wenige laut? Wieso reden wir nicht mehr über Altersarmut, Pflegenotstand, Umweltzerstörung und Klimawandel, Atomkraft und Energiepolitik, Waffenexporte, bezahlbare Bildung für alle, Überwachungsstaat und Geheimdienste, rechten Terrorismus, Hartz4, Gentrifizierung und Wohnungsnot, Mobilität, Automatisierung und Bürgerrechte in der Welt von morgen, über Weltfrieden oder das Streben nach Glück und Zufriedenheit? Warum sind "Flüchtlinge" nun schon seit Jahren das dominierende Thema, was noch dazu eins ist, das die wenigsten Menschen direkt tangiert? Warum lassen wir es als Gesellschaft zu, dass uns der rechte Rand und auflagenfixierte Medien uns mittels Angstkampagnen immer wieder diese Debatte aufzwingen?
Und auch an das hier sei erinnert:
An Buffets Zitat muss ich immer dann denken, wenn mal wieder Bevölkerungsgruppen aus der unteren Hälfte der Gesellschaftspyramide gegeneinander in Stellung gebracht werden.
P.S.: Falls sich jemand von meinen Äußerungen beleidigt fühlt, dem sei schon einmal vorsorglich mitgeteilt, dass er mich sicher mißverstanden hat, weil mir die Maus ausgerutscht ist usw.
Ehrlich wahr.
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Freitag, 15. Dezember 2017
Tatzeit: vor 20 Jahren, Tatort: Überall in Deutschland
Ich bin heuer über den Film "Der unbekannte Soldat" gestolpert.
Die Dokumentation berichtet über die beiden Wehrmachtsausstellungen, die 1995-1999 und 2001-2004 stattgefunden haben, über die geschichtlichen Hintergründe und über die Kontroversen, von denen die Ausstellungen begleitet waren.
Der Film sei jedem ans Herz gelegt und ist, ehrlich gesagt, passagenweise schwer erträglich. Wegen der gezeigten Original-Aufnahmen, vor allem aber wegen der diversen AUftritte von Alt- und Neu-Nazis, die die Ausstellung begleiteteten.
Eines ist mir dabei aufgefallen: Die Bilder der Demos sind teilweise um die 20 Jahre alt, ähneln aber den Pegoda/AfD-Aufläufen von heute frappierend.
Damals wie heute war das Credo: Mit der Presse wird nicht geredet. Die Marschierenden skandieren "Die Presse lügt!", auskunftswillige Demoteilnehmer werden von aggressiven "Ordnern" mit charakteristischem Scheitel an Interviews gehindert. Die Kameras der Dokumentarfilmer werden unvermittelt beiseite geschlagen, deutlich alkoholisierte Skinheads mit sächsischen Dialekt pöbeln die Journalisten voll. Heute wie damals dieselbe Gemengelage: Aggressive Jungnazis, geschniegelte Funktionäre, tumbe, zahnlose Nazi-Prolls und alte, unzufrieden dreinschauende Männer in Windjacken oder Trachtenjankern. Zwischendrin die ein oder andere versprengte Dame um die 50, Typ "Hausfrau mit Schoßhund", die meint, das Andenken ihres Großvaters retten zu müssen.
Die Demos damals wurden von NPD und Republikanern, flankiert von "Vertriebenenverbänden" und den üblichen Verdächtigen aus der reaktionären Revisionisten-Ecke.
Was ich damit sagen will: Die Bilder, die Parolen und das Gebahren damals und heute ähneln sich frappierend, obwohl es damals noch kein Merkel-Feindbild gab. Der einzige Unterschied: Damals marschierten da lupenreine Nazis. Heute marschieren Bürger, die von sich behaupten, keine Nazis zu sein.
Noch gruseliger freilich waren die diversen Ausschnitte aus Nazi-Wochenschauen, in denen über "das Judentum" hergezogen wurde als "Schädlinge", die sich "tief in die deutsche Kultur eingegraben hätten, um diese zu zersetzen". Genau in demselben abfälligen, hetzerischen Duktus, mit dem der in die Breite gegangene rechte Rand des Bürgertums heute über Moslems herzieht.
Wie heißt es so schön: If something looks like a duck, walks like a duck, and talks like a duck, chances are pretty good it is a duck.
Was nur so gar nicht ins Bild des deutschen Herrenmenschen passt: Dieses ständige Stilisieren als Opfer.
Die blonden, blauäugigen Front-Kämpfer des Dritten Reichs, die grinsend vor Massengräbern posieren: Opfer. Pegida-Marschierer, AfD-Mitglieder, Reichsbürger: Opfer. Schuld sind natürlich immer "die andern".
Wenn man nicht wüßte, dass das alles Masche ist, müßte man sich wirklich fragen, was diese jämmerlichen, vom ungerechten Schicksal gebeutelten, von bösen Einflüsterungen fehlgeleiteten, von der Geschichten verkannten, eigentlich immer nur das Beste wollenden Unglückswürmer mit dem eigenen Heldenmythos von stolzen Patrioten gemein haben sollen.
Die Dokumentation berichtet über die beiden Wehrmachtsausstellungen, die 1995-1999 und 2001-2004 stattgefunden haben, über die geschichtlichen Hintergründe und über die Kontroversen, von denen die Ausstellungen begleitet waren.
Der Film sei jedem ans Herz gelegt und ist, ehrlich gesagt, passagenweise schwer erträglich. Wegen der gezeigten Original-Aufnahmen, vor allem aber wegen der diversen AUftritte von Alt- und Neu-Nazis, die die Ausstellung begleiteteten.
Eines ist mir dabei aufgefallen: Die Bilder der Demos sind teilweise um die 20 Jahre alt, ähneln aber den Pegoda/AfD-Aufläufen von heute frappierend.
Damals wie heute war das Credo: Mit der Presse wird nicht geredet. Die Marschierenden skandieren "Die Presse lügt!", auskunftswillige Demoteilnehmer werden von aggressiven "Ordnern" mit charakteristischem Scheitel an Interviews gehindert. Die Kameras der Dokumentarfilmer werden unvermittelt beiseite geschlagen, deutlich alkoholisierte Skinheads mit sächsischen Dialekt pöbeln die Journalisten voll. Heute wie damals dieselbe Gemengelage: Aggressive Jungnazis, geschniegelte Funktionäre, tumbe, zahnlose Nazi-Prolls und alte, unzufrieden dreinschauende Männer in Windjacken oder Trachtenjankern. Zwischendrin die ein oder andere versprengte Dame um die 50, Typ "Hausfrau mit Schoßhund", die meint, das Andenken ihres Großvaters retten zu müssen.
Die Demos damals wurden von NPD und Republikanern, flankiert von "Vertriebenenverbänden" und den üblichen Verdächtigen aus der reaktionären Revisionisten-Ecke.
Was ich damit sagen will: Die Bilder, die Parolen und das Gebahren damals und heute ähneln sich frappierend, obwohl es damals noch kein Merkel-Feindbild gab. Der einzige Unterschied: Damals marschierten da lupenreine Nazis. Heute marschieren Bürger, die von sich behaupten, keine Nazis zu sein.
Noch gruseliger freilich waren die diversen Ausschnitte aus Nazi-Wochenschauen, in denen über "das Judentum" hergezogen wurde als "Schädlinge", die sich "tief in die deutsche Kultur eingegraben hätten, um diese zu zersetzen". Genau in demselben abfälligen, hetzerischen Duktus, mit dem der in die Breite gegangene rechte Rand des Bürgertums heute über Moslems herzieht.
Wie heißt es so schön: If something looks like a duck, walks like a duck, and talks like a duck, chances are pretty good it is a duck.
Was nur so gar nicht ins Bild des deutschen Herrenmenschen passt: Dieses ständige Stilisieren als Opfer.
Die blonden, blauäugigen Front-Kämpfer des Dritten Reichs, die grinsend vor Massengräbern posieren: Opfer. Pegida-Marschierer, AfD-Mitglieder, Reichsbürger: Opfer. Schuld sind natürlich immer "die andern".
Wenn man nicht wüßte, dass das alles Masche ist, müßte man sich wirklich fragen, was diese jämmerlichen, vom ungerechten Schicksal gebeutelten, von bösen Einflüsterungen fehlgeleiteten, von der Geschichten verkannten, eigentlich immer nur das Beste wollenden Unglückswürmer mit dem eigenen Heldenmythos von stolzen Patrioten gemein haben sollen.
Montag, 18. September 2017
Tatzeit: 24.09.17, Tatort: Deutschland
Der als sicher geltende Einzug der AfD in den Bundestag ist eine nationale Schande.
Anders kann man das nicht sagen.
Eine Partei, die Stimmung macht mit Ängsten und mit Hass, eine Partei, die mit ihrer Politik die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt,
eine Partei, die die Schwächsten in einer Gesellschaft gegeneinander in Stellung bringt,
eine Partei, deren Spitzenpersonal sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als mißverstandene Opfer geriert,
eine Partei, die immer wieder mit nationalsozialitischer und rassistischer Symbolik und Semantik kokettiert,
eine Partei, die auf die Fragen von morgen nur Antworten von vorgestern zu bieten hat,
eine Partei, deren Wahlprogramm die Lebensrealität ihres eigenen Spitzenpersonals konterkariert,
die trotz Wahlprogramm eigentlich nur ein einziges Thema zu bieten hat
kann keine Alternative für Deutschland sein.
Die AfD hat sich nicht die Verbesserung der Lebenssituation der Bundesbürger auf die Fahne geschriben, sondern zuallererst einmal die Verschlechterung der Lebenssituation einiger Teile der Gesellschaft. Trump läßt grüßen.
Welchem "abgehängten", durch die "Wende" oder durch den Anblick eines Schwarzafrikaners traumatisierten, ostdeutschen Rentners oder Hartzers wird es besser gehen, wenn nach dem Willen der AfD die Grenzen dichtgemacht werden, die Atomkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden, Schwule nicht mehr heiraten dürfen und die D-Mark wieder eingeführt wird?
Ich sag's euch: Keinem einzigen. Keinem einzigen AfD-Wähler aus der "Unterschicht" wird es dadurch besser gehen, keiner wird danach glücklicher oder reicher sein oder objektiv sicherer sein als vorher. Und denen aus der Mittelschicht wohl auch nicht.
Im Gegenteil. Die Spielart des kapitalistischen Egoismus, in dem es ausschließlich "zuerst ich, und was dann noch übrig ist, bekommen eventuell die anderen" heißt, fügt die AfD noch ein "..., wenn sie sich gut benehmen, nicht aufmucken und für die Almosen auch schön dankbar sind" hinzu.
Dieses Denken hat aber erst zu den Problemen geführt, denen wir heute gegenüberstehen: Klimawandel, Umweltzerstörung, Rohstoffkriege, religiöser Fundamentalismus, Massenarmut, Migrationsströme, Finanzkrise, mediale Reizüberflutung bis hin zu der Erkenntnis, dass die Kinder der westlichen Zivilisation ohne Google kein Ei mehr gekocht bekommen.
Was soll's. Die Mehrzahl der Deutschen hat schon immer gegen die eigenen Interessen gewählt, geschweige denn im Sinne eines gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Deutschen wählen traditionell nach dem, was vom Widerhall ihrer persönlichen Echokammer noch als "Bauchgefühl" in ihrer unteren Körperregion ankommt. Man könnte auch sagen, die Deutschen wählen vom Arsch her.
Daran wird dieser Blog hier leider auch nichts ändern.
Anders kann man das nicht sagen.
Eine Partei, die Stimmung macht mit Ängsten und mit Hass, eine Partei, die mit ihrer Politik die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt,
eine Partei, die die Schwächsten in einer Gesellschaft gegeneinander in Stellung bringt,
eine Partei, deren Spitzenpersonal sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als mißverstandene Opfer geriert,
eine Partei, die immer wieder mit nationalsozialitischer und rassistischer Symbolik und Semantik kokettiert,
eine Partei, die auf die Fragen von morgen nur Antworten von vorgestern zu bieten hat,
eine Partei, deren Wahlprogramm die Lebensrealität ihres eigenen Spitzenpersonals konterkariert,
die trotz Wahlprogramm eigentlich nur ein einziges Thema zu bieten hat
kann keine Alternative für Deutschland sein.
Die AfD hat sich nicht die Verbesserung der Lebenssituation der Bundesbürger auf die Fahne geschriben, sondern zuallererst einmal die Verschlechterung der Lebenssituation einiger Teile der Gesellschaft. Trump läßt grüßen.
Welchem "abgehängten", durch die "Wende" oder durch den Anblick eines Schwarzafrikaners traumatisierten, ostdeutschen Rentners oder Hartzers wird es besser gehen, wenn nach dem Willen der AfD die Grenzen dichtgemacht werden, die Atomkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden, Schwule nicht mehr heiraten dürfen und die D-Mark wieder eingeführt wird?
Ich sag's euch: Keinem einzigen. Keinem einzigen AfD-Wähler aus der "Unterschicht" wird es dadurch besser gehen, keiner wird danach glücklicher oder reicher sein oder objektiv sicherer sein als vorher. Und denen aus der Mittelschicht wohl auch nicht.
Im Gegenteil. Die Spielart des kapitalistischen Egoismus, in dem es ausschließlich "zuerst ich, und was dann noch übrig ist, bekommen eventuell die anderen" heißt, fügt die AfD noch ein "..., wenn sie sich gut benehmen, nicht aufmucken und für die Almosen auch schön dankbar sind" hinzu.
Dieses Denken hat aber erst zu den Problemen geführt, denen wir heute gegenüberstehen: Klimawandel, Umweltzerstörung, Rohstoffkriege, religiöser Fundamentalismus, Massenarmut, Migrationsströme, Finanzkrise, mediale Reizüberflutung bis hin zu der Erkenntnis, dass die Kinder der westlichen Zivilisation ohne Google kein Ei mehr gekocht bekommen.
Was soll's. Die Mehrzahl der Deutschen hat schon immer gegen die eigenen Interessen gewählt, geschweige denn im Sinne eines gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Deutschen wählen traditionell nach dem, was vom Widerhall ihrer persönlichen Echokammer noch als "Bauchgefühl" in ihrer unteren Körperregion ankommt. Man könnte auch sagen, die Deutschen wählen vom Arsch her.
Daran wird dieser Blog hier leider auch nichts ändern.
Montag, 6. Februar 2017
Tatzeit: die Ära Trump, Tatort: Germany
Eine kleine Übung in Schizophrenie:
Liebe AfD-Sympathisanten und Patrioten*,
sind wir uns eigentlich einig, dass Trump ein pathologischer Lügner, Narzist und Penthouse-Faschist ist, dem es zuzutrauen ist, dem eigenen Ego und der Profitgier amerikanischer Banken und Konzerne sämtliche gesellschaftlichen Werte, den Weltfrieden und wenn es sein müßte, die Welt als Ganzes zu opfern**?
Nein?
Dann können wir uns vielleicht zumindest darauf einigen, dass Trump mit seiner US-zentrierten Wirtschaftspolitik potentiell deutsche Arbeitsplätze gefährdet? Okay?
Das müßte ihn doch aus Sicht eines deutschen Patrioten zum Feind Deutschlands machen, richtig?
Und seid ihr nicht sowieso der Meinung, dass amerikanische Banken (die Trump gerade wieder von der Kette läßt) ohnehin die deutsche Politik fremdsteuern? Und das ist bäh-bäh, gell?
Nun: "Eure" AfD, die Partei, die ihr euch zur Vertretung eurer Interessen ausgeguckt habt, findet Trump prima. Genau wie ihre rechten Kumpel-Parteien im Rest Europas.***
Weil Trump das macht, was sie auch gern tun würden: Mauer um die eigene Nation, um das Böse draußen zu halten (hey, ehemalige DDR-Bürger: Da werden schöne Erinnerungen wach, oder?), überhaupt die Welt in gute und böse Menschen einteilen, dann Waffen an die Guten verteilen, damit die ihr "wir zuerst" gegen die Bösen durchsetzen können. Und dann dabei irgendwie reich werden.****
Offiziell natürlich nur, weil beide ein gemeinsames Feindbild haben: Flüchtlinge und Moslems*****. Der Rest der weitgehend menschenverachtenden, antisozialen Ideologie fällt unter den Tisch. Darin haben die Rechten ja Übung. Ich sag nur "Autobahn".
Also, wie jetzt: Trump Scheiße finden, aber trotzdem die Partei gut finden, die Trump richtig gut findet? Macht das Sinn? Liegt es da nicht nahe, sich mit der AfD erst recht jemanden einzutreten, der unser lieb Vaterland an die USA verscherbelt? "Deutschland zuerst" und "America first" können schlecht gleichberechtigt koexistieren, oder? Sind da nicht zumindest Zweifel angebracht?
By the way: Marine Le Pen, politische Freundin von Frauke Petry und AfD, ist gerade mit "le premier France" ("Frankreich zuerst") in den Wahlkampf gestartet.
Neuer Blickwinkel: Letztens hat die Spaß-Guerilla der Lügenpresse, alias "heute show", einen "Reporter" zum "interviewen" einiger Trump-Unterstützer nach Washington geschickt, welche sich pflichtschuldigst mit nahezu pegidistischer Inbrust zu wilden Aussagen hinreißen ließen: Die Amerikaner hätten es satt, dass die Deutschen sie um Essen anbetteln, hieß es da zum Beispiel. Einer war davon überzeugt, dass sich in den wörtlich "heiligen Springbrunnen des Schwabenlandes" Flüchtlinge waschen.
Lustig, oder? Die doofen Amis wieder... Habt ihr auch so über den Grad anDummheit Bildungsnotstand Desinformation gelacht?
Nein, nicht wirklich. Denn die Knalltüten waren von ihrer Version der Wahrheit genau so überzeugt wie ihre deutschen Pendants, ob sie sich nun Wutbürger, besorgte Bürger, Reichsbürger oder sonstwie nennen. Übrigens: Alle miteinander waren sich einig, dass die Presse ohnehin nur Lügen über die USA im allgemeinen und den lieben Trump im besonderen verbreitet.
Wer von euch Nasen die Sendung gesehen hat: Ihr habt keine "doofen Amis" gesehen. Ihr habt in den Spiegel geguckt.
Blickwinkel Nr 3: Wie sicher seid ihr euch, dass Deutschland von einer hegemonialen, nationalistischen Welt bzw. von einem hegemonialen, nationalistischen Europa profitieren wird? In einer Welt, in der die Staaten sich gegeneinander abgrenzen, internationale Vereinbarungen aufkündigen und fremdenfeindliche Klischees bemühen, ist in so einer Welt der wirtschaftlich und politisch dominante"Exportweltmeister" Deutschland von heute denkbar?
Wie wird sich Deutschland als Exportnation in den prognostizierten Wirtschaftskriegen wohl besser schlagen: Als prägendes Mitglied in der EU, dem größten Binnenmarkt der Welt, oder als Einzelkämpfer? Sollte man in einer Zeit, in der es erforderlich ist, halbwegs geeint und selbstbewußt zusammenzustehen, eine Partei unterstützen, die eine separatistische Politik verfolgt?
Herzlichst,
der Michel
*) alle Reichsbürger und überzeugten Rechten dürfen weglesen, die sind eh schon verloren
**) selbstverständlich abgesehen von ihren schwer bewachten Privatinseln und anderen Enklaven
***) Darin liegt doch die faulige Wurzel der Schizophrenie dieser rechten "Internationale": Was soll man von einer "Parteienfreundschaft" halten, wo diese Parteien in ihrem nationalistischen Kern völlig gegensätzliche, hegemoniale Interessen verfolgen?
****) Das ist natürlich stark verkürzt dargestellt.
*****) Schon mal überlegt, an wem sich die AfD nicht nur verbal austoben wird, wenn sie mal mit denen fertig ist? Frei nach Niemöller:
"Als die AfD die Flüchtlinge holen ließ, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Flüchtling. Als sie die Moslems einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Moslem. Als sie die links-grün Versifften holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Grüner. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Liebe AfD-Sympathisanten und Patrioten*,
sind wir uns eigentlich einig, dass Trump ein pathologischer Lügner, Narzist und Penthouse-Faschist ist, dem es zuzutrauen ist, dem eigenen Ego und der Profitgier amerikanischer Banken und Konzerne sämtliche gesellschaftlichen Werte, den Weltfrieden und wenn es sein müßte, die Welt als Ganzes zu opfern**?
Nein?
Dann können wir uns vielleicht zumindest darauf einigen, dass Trump mit seiner US-zentrierten Wirtschaftspolitik potentiell deutsche Arbeitsplätze gefährdet? Okay?
Das müßte ihn doch aus Sicht eines deutschen Patrioten zum Feind Deutschlands machen, richtig?
Und seid ihr nicht sowieso der Meinung, dass amerikanische Banken (die Trump gerade wieder von der Kette läßt) ohnehin die deutsche Politik fremdsteuern? Und das ist bäh-bäh, gell?
Nun: "Eure" AfD, die Partei, die ihr euch zur Vertretung eurer Interessen ausgeguckt habt, findet Trump prima. Genau wie ihre rechten Kumpel-Parteien im Rest Europas.***
Weil Trump das macht, was sie auch gern tun würden: Mauer um die eigene Nation, um das Böse draußen zu halten (hey, ehemalige DDR-Bürger: Da werden schöne Erinnerungen wach, oder?), überhaupt die Welt in gute und böse Menschen einteilen, dann Waffen an die Guten verteilen, damit die ihr "wir zuerst" gegen die Bösen durchsetzen können. Und dann dabei irgendwie reich werden.****
Offiziell natürlich nur, weil beide ein gemeinsames Feindbild haben: Flüchtlinge und Moslems*****. Der Rest der weitgehend menschenverachtenden, antisozialen Ideologie fällt unter den Tisch. Darin haben die Rechten ja Übung. Ich sag nur "Autobahn".
Also, wie jetzt: Trump Scheiße finden, aber trotzdem die Partei gut finden, die Trump richtig gut findet? Macht das Sinn? Liegt es da nicht nahe, sich mit der AfD erst recht jemanden einzutreten, der unser lieb Vaterland an die USA verscherbelt? "Deutschland zuerst" und "America first" können schlecht gleichberechtigt koexistieren, oder? Sind da nicht zumindest Zweifel angebracht?
By the way: Marine Le Pen, politische Freundin von Frauke Petry und AfD, ist gerade mit "le premier France" ("Frankreich zuerst") in den Wahlkampf gestartet.
Neuer Blickwinkel: Letztens hat die Spaß-Guerilla der Lügenpresse, alias "heute show", einen "Reporter" zum "interviewen" einiger Trump-Unterstützer nach Washington geschickt, welche sich pflichtschuldigst mit nahezu pegidistischer Inbrust zu wilden Aussagen hinreißen ließen: Die Amerikaner hätten es satt, dass die Deutschen sie um Essen anbetteln, hieß es da zum Beispiel. Einer war davon überzeugt, dass sich in den wörtlich "heiligen Springbrunnen des Schwabenlandes" Flüchtlinge waschen.
Lustig, oder? Die doofen Amis wieder... Habt ihr auch so über den Grad an
Nein, nicht wirklich. Denn die Knalltüten waren von ihrer Version der Wahrheit genau so überzeugt wie ihre deutschen Pendants, ob sie sich nun Wutbürger, besorgte Bürger, Reichsbürger oder sonstwie nennen. Übrigens: Alle miteinander waren sich einig, dass die Presse ohnehin nur Lügen über die USA im allgemeinen und den lieben Trump im besonderen verbreitet.
Wer von euch Nasen die Sendung gesehen hat: Ihr habt keine "doofen Amis" gesehen. Ihr habt in den Spiegel geguckt.
Blickwinkel Nr 3: Wie sicher seid ihr euch, dass Deutschland von einer hegemonialen, nationalistischen Welt bzw. von einem hegemonialen, nationalistischen Europa profitieren wird? In einer Welt, in der die Staaten sich gegeneinander abgrenzen, internationale Vereinbarungen aufkündigen und fremdenfeindliche Klischees bemühen, ist in so einer Welt der wirtschaftlich und politisch dominante"Exportweltmeister" Deutschland von heute denkbar?
Wie wird sich Deutschland als Exportnation in den prognostizierten Wirtschaftskriegen wohl besser schlagen: Als prägendes Mitglied in der EU, dem größten Binnenmarkt der Welt, oder als Einzelkämpfer? Sollte man in einer Zeit, in der es erforderlich ist, halbwegs geeint und selbstbewußt zusammenzustehen, eine Partei unterstützen, die eine separatistische Politik verfolgt?
Herzlichst,
der Michel
*) alle Reichsbürger und überzeugten Rechten dürfen weglesen, die sind eh schon verloren
**) selbstverständlich abgesehen von ihren schwer bewachten Privatinseln und anderen Enklaven
***) Darin liegt doch die faulige Wurzel der Schizophrenie dieser rechten "Internationale": Was soll man von einer "Parteienfreundschaft" halten, wo diese Parteien in ihrem nationalistischen Kern völlig gegensätzliche, hegemoniale Interessen verfolgen?
****) Das ist natürlich stark verkürzt dargestellt.
*****) Schon mal überlegt, an wem sich die AfD nicht nur verbal austoben wird, wenn sie mal mit denen fertig ist? Frei nach Niemöller:
"Als die AfD die Flüchtlinge holen ließ, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Flüchtling. Als sie die Moslems einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Moslem. Als sie die links-grün Versifften holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Grüner. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Mittwoch, 28. Oktober 2015
Every fucking Monday, Tatort: Dresden
Aspekt 1: Vor kurzem wurde eine interessante soziologische Studie veröffentlicht.[LINK].
Zusammengefasst lautet die These in etwa so: Wir befinden uns in einem Übergang der Kultur der Moral.
Der erste Übergang fand im 18. und 19. Jahrhundert statt, wo aus der Kultur der Ehre, die man sich erarbeiten und permanent verteidigen mußte, eine Kultur der "Menschen)Würde wurde. In dieser besitzt jeder Mensch von vornherein Würde, wird diese verletzt, holt er nicht mehr selbst die Duell-Pistole heraus, sondern wendet sich an Polizei und Justiz.
Der jetzige Übergang zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen sich häufig nicht mehr über ihre Würde definieren, sondern über ihr Opfertum. Soll heißen: Man definiert sich darüber, wie stark und durch wen man (tatsächlich oder zurechtgesponnen) verfolgt und benachteiligt wird. Als solches (Opfer) erklärt man sich selbst für machtlos und bildet daher mit anderen eine Opfergruppe, die dann möglichst laut und larmoyant ihre Position in die Öffentlichkeit oder zu irgendwelchen Gremien trägt. Dabei wird dann gern auch mal übertrieben, um das eigene tatsächliche oder eingebildete Opfertum noch einmal überdeutlich herauszustreichen.
Aspekt 2: Ich hab mir kürzlich die Doku "Die AfD - Von Biedermännern und Brandstiftern" angeschaut [LINK zur Mediathek des ZDF].
Dabei, und ebenso bei den Pegida-Demos und Auftritten anderer rechter Demagogen fällt immer wieder eines auf: Das Stilisieren der eigenen Gruppe zu Opfern. Man sei Opfer der Politiker, der Asylanten, der Linbken, der Amerikaner, der (Lügen-)Presse, der Medien, der Justiz und was den Rechten noch so alles an böswilligen Unterdrückern einfällt. Man dürfe ja nix mehr sagen (was sie immer sagen, bevor sie genau das sagen, was sie angeblich nicht sagen dürfen), man würde ja gleich in die rechte Ecke gestellt (wo sie sich aber scheinbar pudelwohl fühlen). Über dieses eingebildete Opferbild funktioniert dann auch der Schulterschluß der rechten Rattenfänger, ob sie nun Hogesa, Pegida, AfD oder NPD heißen.
Würde, die eigene oder die anderer, sucht man in deren Reihen vergeblich.
Soweit die Theorie. So ganz stimmig ist das Bild dann aber am Ende nicht mehr. Denn aus dem Opferkult leiten die neuen Rechten ein neues Selbstbewußtsein für sich ab, aus dem heraus ihre Führer sich zum Sprachrohr und Advokaten der Gruppe aufschwingen und dabei den Rest des "deutschen Volkes" frech und ungefragt mit vereinnahmen. Diese Brandstifter biedern sich dann den unterdrückten Volksgenossen als neue Vertreter ihrer Opfer-Interessen an.
Natürlich sind die ganzen "besorgten Bürger" von Pegida nicht unterdrückt. Natürlich könnten sie sich weiter an Politik, Presse, Polizei und Justiz wenden - (was sie im Zweifel auch tun) - wenn, ja wenn sie diese nicht vorher zum Feindbild und damit unerreichbar gemacht hätten. Bizarr ist, dass die Rechten die von denselben Institutionen und dem Grundgesetz garantierten Rechte für sich beanspruchen, beides aber gleichzeitig ablehnen. Aber Ironie war noch nie die Stärke der Demagogen.
Aus der eingebildeten Ohnmacht ihres Opfertums heraus resultiert Aggression, die sich meist heroisch auf den Schwächsten entläd.
Schade, dass die Mitläufer (die wahren Rechten sind ohnehin unbelehrbar, denn denen geht es um Macht, und nichts sonst) scheinbar nie in den Spiegel schauen (und damit meine ich nicht das Magazin). Und sich scheinbar auch nie mal nüchtern die Truppe anschauen, bei der sie mitmarschieren: Ein Tross trotziger Jammerlappen, die die Augen vor der Realität verschließen und sich lieber in ihrem eingebildeten Elend suhlen. Wohlgenährte Biedermänner, die für sich das Rechteinklagen erjammern, bei der "Tafel" Essen für sich zu fordern. Menschen, in deren Mund das ehemals mutige "Wir sind das Volk" zu einer schalen Floskel der bornierter Selbstgerechtigkeit zerrinnt.
Sie würden vielleicht erkennen, was für ein armseliger Haufen sie tatsächlich sind.
Nicht, weil sie Opfer sind, sondern weil sie sich selbst dazu machen.
Zusammengefasst lautet die These in etwa so: Wir befinden uns in einem Übergang der Kultur der Moral.
Der erste Übergang fand im 18. und 19. Jahrhundert statt, wo aus der Kultur der Ehre, die man sich erarbeiten und permanent verteidigen mußte, eine Kultur der "Menschen)Würde wurde. In dieser besitzt jeder Mensch von vornherein Würde, wird diese verletzt, holt er nicht mehr selbst die Duell-Pistole heraus, sondern wendet sich an Polizei und Justiz.
Der jetzige Übergang zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen sich häufig nicht mehr über ihre Würde definieren, sondern über ihr Opfertum. Soll heißen: Man definiert sich darüber, wie stark und durch wen man (tatsächlich oder zurechtgesponnen) verfolgt und benachteiligt wird. Als solches (Opfer) erklärt man sich selbst für machtlos und bildet daher mit anderen eine Opfergruppe, die dann möglichst laut und larmoyant ihre Position in die Öffentlichkeit oder zu irgendwelchen Gremien trägt. Dabei wird dann gern auch mal übertrieben, um das eigene tatsächliche oder eingebildete Opfertum noch einmal überdeutlich herauszustreichen.
Aspekt 2: Ich hab mir kürzlich die Doku "Die AfD - Von Biedermännern und Brandstiftern" angeschaut [LINK zur Mediathek des ZDF].
Dabei, und ebenso bei den Pegida-Demos und Auftritten anderer rechter Demagogen fällt immer wieder eines auf: Das Stilisieren der eigenen Gruppe zu Opfern. Man sei Opfer der Politiker, der Asylanten, der Linbken, der Amerikaner, der (Lügen-)Presse, der Medien, der Justiz und was den Rechten noch so alles an böswilligen Unterdrückern einfällt. Man dürfe ja nix mehr sagen (was sie immer sagen, bevor sie genau das sagen, was sie angeblich nicht sagen dürfen), man würde ja gleich in die rechte Ecke gestellt (wo sie sich aber scheinbar pudelwohl fühlen). Über dieses eingebildete Opferbild funktioniert dann auch der Schulterschluß der rechten Rattenfänger, ob sie nun Hogesa, Pegida, AfD oder NPD heißen.
Würde, die eigene oder die anderer, sucht man in deren Reihen vergeblich.
Soweit die Theorie. So ganz stimmig ist das Bild dann aber am Ende nicht mehr. Denn aus dem Opferkult leiten die neuen Rechten ein neues Selbstbewußtsein für sich ab, aus dem heraus ihre Führer sich zum Sprachrohr und Advokaten der Gruppe aufschwingen und dabei den Rest des "deutschen Volkes" frech und ungefragt mit vereinnahmen. Diese Brandstifter biedern sich dann den unterdrückten Volksgenossen als neue Vertreter ihrer Opfer-Interessen an.
Natürlich sind die ganzen "besorgten Bürger" von Pegida nicht unterdrückt. Natürlich könnten sie sich weiter an Politik, Presse, Polizei und Justiz wenden - (was sie im Zweifel auch tun) - wenn, ja wenn sie diese nicht vorher zum Feindbild und damit unerreichbar gemacht hätten. Bizarr ist, dass die Rechten die von denselben Institutionen und dem Grundgesetz garantierten Rechte für sich beanspruchen, beides aber gleichzeitig ablehnen. Aber Ironie war noch nie die Stärke der Demagogen.
Aus der eingebildeten Ohnmacht ihres Opfertums heraus resultiert Aggression, die sich meist heroisch auf den Schwächsten entläd.
Schade, dass die Mitläufer (die wahren Rechten sind ohnehin unbelehrbar, denn denen geht es um Macht, und nichts sonst) scheinbar nie in den Spiegel schauen (und damit meine ich nicht das Magazin). Und sich scheinbar auch nie mal nüchtern die Truppe anschauen, bei der sie mitmarschieren: Ein Tross trotziger Jammerlappen, die die Augen vor der Realität verschließen und sich lieber in ihrem eingebildeten Elend suhlen. Wohlgenährte Biedermänner, die für sich das Recht
Sie würden vielleicht erkennen, was für ein armseliger Haufen sie tatsächlich sind.
Nicht, weil sie Opfer sind, sondern weil sie sich selbst dazu machen.
Sonntag, 19. April 2015
Frühling, Tatort: Deutschland
Kleine Bestandsaufnahme 2015:
Die rechtspopulistische AfD und Pegida tragen rechte Ideen bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein, die AfD feiert Wahlerfolge. Menschen sind wieder empfänglich für die Angst-Schürereien der Rechten. In Deutschland brennen wieder Asylantenheime. Politikern werden offen bedroht. Immer wieder offenbart sich, dass Polizei und Justiz auf dem rechten Auge blind sind. Studien zeigen immer wieder, dass rechtes Denken noch immer verbreitet ist. In unseren Nachbarländern gewinnen rechte Parteien teilweise enorm an Einfluss: Frankreich, Niederlande, Dänemark, Österreich, Schweiz. In Ungarn stellen sie die Regierung und haben bereits Bürgerrechte und Pressefreiheit in ihrem Sinne eingeschränkt.
Und in diesem Klima entblödet sich unsere Regierung nicht, unser Land weiter zu einem Überwachungsstaat umzubauen! Die Kontrollfreaks in den Parteien und in den Sicherheitsorganen reißen sich darum, den gläsernen Bürger zu schaffen. Sie möchten gern jegliche Kommunikation aufzeichnen, ob nun via Internet, per Handy oder per Telefon. Sie würden gern in Erfahrung bringen, wo sich 80 Millionen Deutsche in jedem Moment ihres Tages aufhalten, möchten wissen, was sie dort tun und mit wem. Dafür bauen sie im Schatten von 9/11 seit Jahren, eigentlich schon seit Jahrzehnten an einer Infrastruktur, die ihnen das ermöglicht. Genau so lange werden die Deutschen über den wahren Umfang der Überwachung im Unklaren gelassen. Es wird nach Kräften verharmlost, es werden Sicherheitsinteressen und Schwerverbrechen ins Feld geführt. Die Realität zeigt aber heute schon, dass Überwachungsdaten für alles Mögliche verwendet werden (können), nur nicht zur Aufklärung von Schwerverbrechen.
Führt man nun die obigen beiden Resümees zusammen, liegt eine Frage doch eigentlich auf der Hand:
Hat sich einer dieser Polit-Clowns, dieser Rechtschaffenheits-Darsteller und Stasi-Freaks mal Gedanken darüber gemacht, was eine extremistische Partei mit einem solchen Daten-Arsenal anstellen könnte? Hat einer von den Pfeifen mal drüber nachgedacht, dass auch ihre Gespräche, ihre Aufenthaltsorte und ihre Geheimnisse abgehört und ausgespäht werden, dass sie damit erpressbar werden, für jeden, der diese Informationen in die Finger bekommt: politische Gegner, die Presse, Verbrecher, Firmen, Geheimdienste? Dafür braucht es nicht mal die Skrupellosigkeit von Rechtsextremisten, die Skrupellosigkeit der Durchschnittstypen reicht da schon aus.
Oder denken die wirklich, sie seien gefeit? Denken die wirklich, ihre Daten, die Daten ihrer Kinder, Enkel, Verwandten und Freunde würden nicht missbraucht? Haben die denn gar nichts aus der Geschichte gelernt?
Wenn die Deutschen schon zu träge sind, ihre Hintern gegen den Überwachungsstaat oder gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit von der Couch zu heben: Wie wär es zur Abwechslung mal mit einer Kombination aus beiden? So weit hergeholt ist das nicht.
Wir haben es uns in der Hängematte bürgerlicher Freiheiten so bequem gemacht, dass wir gar nicht merken, wie sich hinter unserem Rücken die Fäden auflösen und wir Gefahr laufen, unsanft auf dem Boden einer sehr viel unangenehmeren Realität als der eines freiheitlichen Rechtsstaats wieder aufzuwachen.
Zeit zu erkennen, dass Aldi-Brot und RTL-Spiele die Freiheit nicht ersetzen können. Zeit, mal wieder dafür zu kämpfen. Wenn schon nicht für euch, dann wenigstens für eure Kinder.
Informiert euch, diskutiert darüber. Geht auf die Strasse, sammelt Unterschriften, redet mit euren Abgeordneten. Über Vorratsdatenspeicherung, über Pkw-Maut, über NSA, über NSU, über Pegida, über Freiheit, über Ungerechtigkeit, über Solidarität mit den Schwachen.
Und wenn ihr das schon nicht schafft, dann klickt wenigstens bei www.campact.de .
Die rechtspopulistische AfD und Pegida tragen rechte Ideen bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein, die AfD feiert Wahlerfolge. Menschen sind wieder empfänglich für die Angst-Schürereien der Rechten. In Deutschland brennen wieder Asylantenheime. Politikern werden offen bedroht. Immer wieder offenbart sich, dass Polizei und Justiz auf dem rechten Auge blind sind. Studien zeigen immer wieder, dass rechtes Denken noch immer verbreitet ist. In unseren Nachbarländern gewinnen rechte Parteien teilweise enorm an Einfluss: Frankreich, Niederlande, Dänemark, Österreich, Schweiz. In Ungarn stellen sie die Regierung und haben bereits Bürgerrechte und Pressefreiheit in ihrem Sinne eingeschränkt.
Und in diesem Klima entblödet sich unsere Regierung nicht, unser Land weiter zu einem Überwachungsstaat umzubauen! Die Kontrollfreaks in den Parteien und in den Sicherheitsorganen reißen sich darum, den gläsernen Bürger zu schaffen. Sie möchten gern jegliche Kommunikation aufzeichnen, ob nun via Internet, per Handy oder per Telefon. Sie würden gern in Erfahrung bringen, wo sich 80 Millionen Deutsche in jedem Moment ihres Tages aufhalten, möchten wissen, was sie dort tun und mit wem. Dafür bauen sie im Schatten von 9/11 seit Jahren, eigentlich schon seit Jahrzehnten an einer Infrastruktur, die ihnen das ermöglicht. Genau so lange werden die Deutschen über den wahren Umfang der Überwachung im Unklaren gelassen. Es wird nach Kräften verharmlost, es werden Sicherheitsinteressen und Schwerverbrechen ins Feld geführt. Die Realität zeigt aber heute schon, dass Überwachungsdaten für alles Mögliche verwendet werden (können), nur nicht zur Aufklärung von Schwerverbrechen.
Führt man nun die obigen beiden Resümees zusammen, liegt eine Frage doch eigentlich auf der Hand:
SIND DIE EIGENTLICH NOCH BEI TROST?
Oder denken die wirklich, sie seien gefeit? Denken die wirklich, ihre Daten, die Daten ihrer Kinder, Enkel, Verwandten und Freunde würden nicht missbraucht? Haben die denn gar nichts aus der Geschichte gelernt?
Wenn die Deutschen schon zu träge sind, ihre Hintern gegen den Überwachungsstaat oder gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit von der Couch zu heben: Wie wär es zur Abwechslung mal mit einer Kombination aus beiden? So weit hergeholt ist das nicht.
Wir haben es uns in der Hängematte bürgerlicher Freiheiten so bequem gemacht, dass wir gar nicht merken, wie sich hinter unserem Rücken die Fäden auflösen und wir Gefahr laufen, unsanft auf dem Boden einer sehr viel unangenehmeren Realität als der eines freiheitlichen Rechtsstaats wieder aufzuwachen.
Zeit zu erkennen, dass Aldi-Brot und RTL-Spiele die Freiheit nicht ersetzen können. Zeit, mal wieder dafür zu kämpfen. Wenn schon nicht für euch, dann wenigstens für eure Kinder.
Informiert euch, diskutiert darüber. Geht auf die Strasse, sammelt Unterschriften, redet mit euren Abgeordneten. Über Vorratsdatenspeicherung, über Pkw-Maut, über NSA, über NSU, über Pegida, über Freiheit, über Ungerechtigkeit, über Solidarität mit den Schwachen.
Und wenn ihr das schon nicht schafft, dann klickt wenigstens bei www.campact.de .
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