...für alle, die sich fragen, warum die Welt so ist, wie sie ist, und warum die Rechten derzeit weltweit wieder Oberwasser haben:
https://m.bazonline.ch/articles/20981022
Schnappatmung garantiert.
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Montag, 14. Januar 2019
Montag, 6. Februar 2017
Tatzeit: die Ära Trump, Tatort: Germany
Eine kleine Übung in Schizophrenie:
Liebe AfD-Sympathisanten und Patrioten*,
sind wir uns eigentlich einig, dass Trump ein pathologischer Lügner, Narzist und Penthouse-Faschist ist, dem es zuzutrauen ist, dem eigenen Ego und der Profitgier amerikanischer Banken und Konzerne sämtliche gesellschaftlichen Werte, den Weltfrieden und wenn es sein müßte, die Welt als Ganzes zu opfern**?
Nein?
Dann können wir uns vielleicht zumindest darauf einigen, dass Trump mit seiner US-zentrierten Wirtschaftspolitik potentiell deutsche Arbeitsplätze gefährdet? Okay?
Das müßte ihn doch aus Sicht eines deutschen Patrioten zum Feind Deutschlands machen, richtig?
Und seid ihr nicht sowieso der Meinung, dass amerikanische Banken (die Trump gerade wieder von der Kette läßt) ohnehin die deutsche Politik fremdsteuern? Und das ist bäh-bäh, gell?
Nun: "Eure" AfD, die Partei, die ihr euch zur Vertretung eurer Interessen ausgeguckt habt, findet Trump prima. Genau wie ihre rechten Kumpel-Parteien im Rest Europas.***
Weil Trump das macht, was sie auch gern tun würden: Mauer um die eigene Nation, um das Böse draußen zu halten (hey, ehemalige DDR-Bürger: Da werden schöne Erinnerungen wach, oder?), überhaupt die Welt in gute und böse Menschen einteilen, dann Waffen an die Guten verteilen, damit die ihr "wir zuerst" gegen die Bösen durchsetzen können. Und dann dabei irgendwie reich werden.****
Offiziell natürlich nur, weil beide ein gemeinsames Feindbild haben: Flüchtlinge und Moslems*****. Der Rest der weitgehend menschenverachtenden, antisozialen Ideologie fällt unter den Tisch. Darin haben die Rechten ja Übung. Ich sag nur "Autobahn".
Also, wie jetzt: Trump Scheiße finden, aber trotzdem die Partei gut finden, die Trump richtig gut findet? Macht das Sinn? Liegt es da nicht nahe, sich mit der AfD erst recht jemanden einzutreten, der unser lieb Vaterland an die USA verscherbelt? "Deutschland zuerst" und "America first" können schlecht gleichberechtigt koexistieren, oder? Sind da nicht zumindest Zweifel angebracht?
By the way: Marine Le Pen, politische Freundin von Frauke Petry und AfD, ist gerade mit "le premier France" ("Frankreich zuerst") in den Wahlkampf gestartet.
Neuer Blickwinkel: Letztens hat die Spaß-Guerilla der Lügenpresse, alias "heute show", einen "Reporter" zum "interviewen" einiger Trump-Unterstützer nach Washington geschickt, welche sich pflichtschuldigst mit nahezu pegidistischer Inbrust zu wilden Aussagen hinreißen ließen: Die Amerikaner hätten es satt, dass die Deutschen sie um Essen anbetteln, hieß es da zum Beispiel. Einer war davon überzeugt, dass sich in den wörtlich "heiligen Springbrunnen des Schwabenlandes" Flüchtlinge waschen.
Lustig, oder? Die doofen Amis wieder... Habt ihr auch so über den Grad anDummheit Bildungsnotstand Desinformation gelacht?
Nein, nicht wirklich. Denn die Knalltüten waren von ihrer Version der Wahrheit genau so überzeugt wie ihre deutschen Pendants, ob sie sich nun Wutbürger, besorgte Bürger, Reichsbürger oder sonstwie nennen. Übrigens: Alle miteinander waren sich einig, dass die Presse ohnehin nur Lügen über die USA im allgemeinen und den lieben Trump im besonderen verbreitet.
Wer von euch Nasen die Sendung gesehen hat: Ihr habt keine "doofen Amis" gesehen. Ihr habt in den Spiegel geguckt.
Blickwinkel Nr 3: Wie sicher seid ihr euch, dass Deutschland von einer hegemonialen, nationalistischen Welt bzw. von einem hegemonialen, nationalistischen Europa profitieren wird? In einer Welt, in der die Staaten sich gegeneinander abgrenzen, internationale Vereinbarungen aufkündigen und fremdenfeindliche Klischees bemühen, ist in so einer Welt der wirtschaftlich und politisch dominante"Exportweltmeister" Deutschland von heute denkbar?
Wie wird sich Deutschland als Exportnation in den prognostizierten Wirtschaftskriegen wohl besser schlagen: Als prägendes Mitglied in der EU, dem größten Binnenmarkt der Welt, oder als Einzelkämpfer? Sollte man in einer Zeit, in der es erforderlich ist, halbwegs geeint und selbstbewußt zusammenzustehen, eine Partei unterstützen, die eine separatistische Politik verfolgt?
Herzlichst,
der Michel
*) alle Reichsbürger und überzeugten Rechten dürfen weglesen, die sind eh schon verloren
**) selbstverständlich abgesehen von ihren schwer bewachten Privatinseln und anderen Enklaven
***) Darin liegt doch die faulige Wurzel der Schizophrenie dieser rechten "Internationale": Was soll man von einer "Parteienfreundschaft" halten, wo diese Parteien in ihrem nationalistischen Kern völlig gegensätzliche, hegemoniale Interessen verfolgen?
****) Das ist natürlich stark verkürzt dargestellt.
*****) Schon mal überlegt, an wem sich die AfD nicht nur verbal austoben wird, wenn sie mal mit denen fertig ist? Frei nach Niemöller:
"Als die AfD die Flüchtlinge holen ließ, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Flüchtling. Als sie die Moslems einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Moslem. Als sie die links-grün Versifften holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Grüner. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Liebe AfD-Sympathisanten und Patrioten*,
sind wir uns eigentlich einig, dass Trump ein pathologischer Lügner, Narzist und Penthouse-Faschist ist, dem es zuzutrauen ist, dem eigenen Ego und der Profitgier amerikanischer Banken und Konzerne sämtliche gesellschaftlichen Werte, den Weltfrieden und wenn es sein müßte, die Welt als Ganzes zu opfern**?
Nein?
Dann können wir uns vielleicht zumindest darauf einigen, dass Trump mit seiner US-zentrierten Wirtschaftspolitik potentiell deutsche Arbeitsplätze gefährdet? Okay?
Das müßte ihn doch aus Sicht eines deutschen Patrioten zum Feind Deutschlands machen, richtig?
Und seid ihr nicht sowieso der Meinung, dass amerikanische Banken (die Trump gerade wieder von der Kette läßt) ohnehin die deutsche Politik fremdsteuern? Und das ist bäh-bäh, gell?
Nun: "Eure" AfD, die Partei, die ihr euch zur Vertretung eurer Interessen ausgeguckt habt, findet Trump prima. Genau wie ihre rechten Kumpel-Parteien im Rest Europas.***
Weil Trump das macht, was sie auch gern tun würden: Mauer um die eigene Nation, um das Böse draußen zu halten (hey, ehemalige DDR-Bürger: Da werden schöne Erinnerungen wach, oder?), überhaupt die Welt in gute und böse Menschen einteilen, dann Waffen an die Guten verteilen, damit die ihr "wir zuerst" gegen die Bösen durchsetzen können. Und dann dabei irgendwie reich werden.****
Offiziell natürlich nur, weil beide ein gemeinsames Feindbild haben: Flüchtlinge und Moslems*****. Der Rest der weitgehend menschenverachtenden, antisozialen Ideologie fällt unter den Tisch. Darin haben die Rechten ja Übung. Ich sag nur "Autobahn".
Also, wie jetzt: Trump Scheiße finden, aber trotzdem die Partei gut finden, die Trump richtig gut findet? Macht das Sinn? Liegt es da nicht nahe, sich mit der AfD erst recht jemanden einzutreten, der unser lieb Vaterland an die USA verscherbelt? "Deutschland zuerst" und "America first" können schlecht gleichberechtigt koexistieren, oder? Sind da nicht zumindest Zweifel angebracht?
By the way: Marine Le Pen, politische Freundin von Frauke Petry und AfD, ist gerade mit "le premier France" ("Frankreich zuerst") in den Wahlkampf gestartet.
Neuer Blickwinkel: Letztens hat die Spaß-Guerilla der Lügenpresse, alias "heute show", einen "Reporter" zum "interviewen" einiger Trump-Unterstützer nach Washington geschickt, welche sich pflichtschuldigst mit nahezu pegidistischer Inbrust zu wilden Aussagen hinreißen ließen: Die Amerikaner hätten es satt, dass die Deutschen sie um Essen anbetteln, hieß es da zum Beispiel. Einer war davon überzeugt, dass sich in den wörtlich "heiligen Springbrunnen des Schwabenlandes" Flüchtlinge waschen.
Lustig, oder? Die doofen Amis wieder... Habt ihr auch so über den Grad an
Nein, nicht wirklich. Denn die Knalltüten waren von ihrer Version der Wahrheit genau so überzeugt wie ihre deutschen Pendants, ob sie sich nun Wutbürger, besorgte Bürger, Reichsbürger oder sonstwie nennen. Übrigens: Alle miteinander waren sich einig, dass die Presse ohnehin nur Lügen über die USA im allgemeinen und den lieben Trump im besonderen verbreitet.
Wer von euch Nasen die Sendung gesehen hat: Ihr habt keine "doofen Amis" gesehen. Ihr habt in den Spiegel geguckt.
Blickwinkel Nr 3: Wie sicher seid ihr euch, dass Deutschland von einer hegemonialen, nationalistischen Welt bzw. von einem hegemonialen, nationalistischen Europa profitieren wird? In einer Welt, in der die Staaten sich gegeneinander abgrenzen, internationale Vereinbarungen aufkündigen und fremdenfeindliche Klischees bemühen, ist in so einer Welt der wirtschaftlich und politisch dominante"Exportweltmeister" Deutschland von heute denkbar?
Wie wird sich Deutschland als Exportnation in den prognostizierten Wirtschaftskriegen wohl besser schlagen: Als prägendes Mitglied in der EU, dem größten Binnenmarkt der Welt, oder als Einzelkämpfer? Sollte man in einer Zeit, in der es erforderlich ist, halbwegs geeint und selbstbewußt zusammenzustehen, eine Partei unterstützen, die eine separatistische Politik verfolgt?
Herzlichst,
der Michel
*) alle Reichsbürger und überzeugten Rechten dürfen weglesen, die sind eh schon verloren
**) selbstverständlich abgesehen von ihren schwer bewachten Privatinseln und anderen Enklaven
***) Darin liegt doch die faulige Wurzel der Schizophrenie dieser rechten "Internationale": Was soll man von einer "Parteienfreundschaft" halten, wo diese Parteien in ihrem nationalistischen Kern völlig gegensätzliche, hegemoniale Interessen verfolgen?
****) Das ist natürlich stark verkürzt dargestellt.
*****) Schon mal überlegt, an wem sich die AfD nicht nur verbal austoben wird, wenn sie mal mit denen fertig ist? Frei nach Niemöller:
"Als die AfD die Flüchtlinge holen ließ, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Flüchtling. Als sie die Moslems einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Moslem. Als sie die links-grün Versifften holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Grüner. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Freitag, 25. März 2016
Dringende Seh-Empfehlung
Ken FM im Gespräch mit Eugen Drewermann.
Versprochen: Die besten 1h45, die ihr in letzer Zeit investiert habt. Was für ein feiner Mensch.
Den nervigen Ken Jebsen mit seinen Suggestivfragen kann man ja ausblenden.
Versprochen: Die besten 1h45, die ihr in letzer Zeit investiert habt. Was für ein feiner Mensch.
Den nervigen Ken Jebsen mit seinen Suggestivfragen kann man ja ausblenden.
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Mittwoch, 1. April 2015
29.03.2015, Tatort: Russland / USA
Zunächst mal: Ich bin kein "Russland-Versteher". Ich kann die Schwarz-Weiß-Malerei der Anti-USA-Deutschland ist besetzt-Verschwörungstheoretiker nicht ab. Allein schon, weil sich hier plumpe Anti-Amerikanisten, Nationalisten, Ultralinke und völkische Esoterik-Spinner zu einem unausgegorenen Mix verquirlen, der immer mindestens auf einem Auge blind ist.
Genau so sehr aber lehne ich die hiesigen "Qualitäts-Medien" ab, die sich das vorbehaltlose Wiederkäuen von überwunden geglaubter, anti-russischer Kalter-Kriegs-Rhetorik zur Aufgabe gemacht haben, allen voran leider die öffentlich-rechtlichen.
Ein Blog, das sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, Entgleisungen letzterer zu entlarven, wäre https://propagandaschau.wordpress.com/.
Obwohl der Blog rhetorisch immer mal wieder ins Verschwörungstheoretische abgleitet, sind dort doch ein paar recht interessante Beobachtungen festgehalten. Entdeckt habe ich dort auch folgenden, recht differenziert erscheinender Artikel bzw. Link, für den ich eine klare Lese-Empfehlung ausspreche:
http://logon-echon.com/2015/03/09/moskau-ein-reisebericht/
Die Lektüre hat mich inspiriert, tatsächlich mal nachzuschauen, wie es in den USA um die Rechte von Minderheiten bestellt ist. Nicht um zu relativieren oder Zahlen zu jonglieren, sondern um mal zu schauen, wieviel davon in der deutschen Presse landet. Insbesondere, nachdem uns regelmäßig Horrormeldungen über die Rechte Homosexueller in Rußland erreichen.
Netterweise hat mir ein amerikanischer Journalist die Aufgabe weitgehend abgenommen, die USA mit Rußland zu vergleichen.
Wer sich die 129 Seiten umfassende Abhandlung nicht zu Gemüte führen möchte, dem sei hier das Ergebnis grob zusammengefasst: Die russische Gesetzgebung ist in weiten Teilen fortschrittlicher als in den USA. Die öffentliche Meinung wiederum ist in Russland um einiges homo-feindlicher als in den USA, wobei es zwischen den US-Bundesstaaten teilweise deutliche Unterschiede gibt.
Allerdings sind in den USA 100 mal mehr "hate crimes" gegen Homosexuelle dokumentiert, Dunkelziffern sind in beiden Staaten vorhanden, die Höhe unklar.
Weder die USA noch Rußland sind also Homosexuellen-Paradiese. Wie aber sieht die Berichterstattung in deutschen Medien aus?
Das Google-Ergebnis verwunderte mich dann nicht sonderlich.
Während man in deutschen Medien, von NGOs und von Lobby-Organisationen allerlei Schreckliches über Rußland erfahren kann, erfährt man von den USA zum selben Thema zunächst erstmal lauter Lobhudelei über verbesserte Gesetzgebung. Will man Zahlen und Fakten wissen, muss man sich hauptsächlich durch Blogs und ausländische Webseiten wühlen. Einzig bei Spiegel Online bin ich fündig geworden.
Eine ausgewogene Berichterstattung findet man nicht. Stattdessen viel Schwarz-Weiß-Malerei, die streng nach Propaganda riecht.
Friedrich Küppersbusch hat es zuletzt in einem Interview auf den Punkt gebracht: Der politische Journalismus in den ÖR-Medien befindet sich aufgrund seiner Nähe zu den Parteien in einem "Dolmetscher-Modus": "Wir erklären euch, was Siggi Gabriel gemeint hat" statt "Wir sagen Siggi mal, wo der Hammer hängt".
Warum die Privaten (Sender und Presse) mit wenigen Ausnahmen in dieselbe Kerbe hauen, ist nicht ganz klar. Vermutlich ist es einfach billiger, einmal Vorgekautes oder von Propaganda-Kanälen kostenlos bereitgestelltes Material zu übernehmen, statt aufwendig selbst zu recherchieren. Vielleicht will man sich auch das Verhältnis zu Parteien, Politikern und auch Werbepartnern nicht kaputtmachen - man ist ja voneinander abhängig.
Zurück bleibt leider das Gefühl, dass man keinem Medium so recht trauen kann. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen der Fülle an verfügbaren Informationen fühlt man sich seltsam desinformiert.
Jeder geht mit diesen Gefühlen unterschiedlich um. Die einen glauben mit starrsinniger Verzweiflung alles, die andern mit resignierender Verbitterung nichts. Die einen schreien "Lügenpresse", die andern schalten ab und blenden aus, die nächsten suchen sich im Netz die notwendigen Steinchen für ihr eigenes Weltbild-Mosaik.
Ein Lehrstück über Vertrauensverlust.
Genau so sehr aber lehne ich die hiesigen "Qualitäts-Medien" ab, die sich das vorbehaltlose Wiederkäuen von überwunden geglaubter, anti-russischer Kalter-Kriegs-Rhetorik zur Aufgabe gemacht haben, allen voran leider die öffentlich-rechtlichen.
Ein Blog, das sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, Entgleisungen letzterer zu entlarven, wäre https://propagandaschau.wordpress.com/.
Obwohl der Blog rhetorisch immer mal wieder ins Verschwörungstheoretische abgleitet, sind dort doch ein paar recht interessante Beobachtungen festgehalten. Entdeckt habe ich dort auch folgenden, recht differenziert erscheinender Artikel bzw. Link, für den ich eine klare Lese-Empfehlung ausspreche:
http://logon-echon.com/2015/03/09/moskau-ein-reisebericht/
Die Lektüre hat mich inspiriert, tatsächlich mal nachzuschauen, wie es in den USA um die Rechte von Minderheiten bestellt ist. Nicht um zu relativieren oder Zahlen zu jonglieren, sondern um mal zu schauen, wieviel davon in der deutschen Presse landet. Insbesondere, nachdem uns regelmäßig Horrormeldungen über die Rechte Homosexueller in Rußland erreichen.
Netterweise hat mir ein amerikanischer Journalist die Aufgabe weitgehend abgenommen, die USA mit Rußland zu vergleichen.
Wer sich die 129 Seiten umfassende Abhandlung nicht zu Gemüte führen möchte, dem sei hier das Ergebnis grob zusammengefasst: Die russische Gesetzgebung ist in weiten Teilen fortschrittlicher als in den USA. Die öffentliche Meinung wiederum ist in Russland um einiges homo-feindlicher als in den USA, wobei es zwischen den US-Bundesstaaten teilweise deutliche Unterschiede gibt.
Allerdings sind in den USA 100 mal mehr "hate crimes" gegen Homosexuelle dokumentiert, Dunkelziffern sind in beiden Staaten vorhanden, die Höhe unklar.
Weder die USA noch Rußland sind also Homosexuellen-Paradiese. Wie aber sieht die Berichterstattung in deutschen Medien aus?
Das Google-Ergebnis verwunderte mich dann nicht sonderlich.
Während man in deutschen Medien, von NGOs und von Lobby-Organisationen allerlei Schreckliches über Rußland erfahren kann, erfährt man von den USA zum selben Thema zunächst erstmal lauter Lobhudelei über verbesserte Gesetzgebung. Will man Zahlen und Fakten wissen, muss man sich hauptsächlich durch Blogs und ausländische Webseiten wühlen. Einzig bei Spiegel Online bin ich fündig geworden.
Eine ausgewogene Berichterstattung findet man nicht. Stattdessen viel Schwarz-Weiß-Malerei, die streng nach Propaganda riecht.
Friedrich Küppersbusch hat es zuletzt in einem Interview auf den Punkt gebracht: Der politische Journalismus in den ÖR-Medien befindet sich aufgrund seiner Nähe zu den Parteien in einem "Dolmetscher-Modus": "Wir erklären euch, was Siggi Gabriel gemeint hat" statt "Wir sagen Siggi mal, wo der Hammer hängt".
Warum die Privaten (Sender und Presse) mit wenigen Ausnahmen in dieselbe Kerbe hauen, ist nicht ganz klar. Vermutlich ist es einfach billiger, einmal Vorgekautes oder von Propaganda-Kanälen kostenlos bereitgestelltes Material zu übernehmen, statt aufwendig selbst zu recherchieren. Vielleicht will man sich auch das Verhältnis zu Parteien, Politikern und auch Werbepartnern nicht kaputtmachen - man ist ja voneinander abhängig.
Zurück bleibt leider das Gefühl, dass man keinem Medium so recht trauen kann. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen der Fülle an verfügbaren Informationen fühlt man sich seltsam desinformiert.
Jeder geht mit diesen Gefühlen unterschiedlich um. Die einen glauben mit starrsinniger Verzweiflung alles, die andern mit resignierender Verbitterung nichts. Die einen schreien "Lügenpresse", die andern schalten ab und blenden aus, die nächsten suchen sich im Netz die notwendigen Steinchen für ihr eigenes Weltbild-Mosaik.
Ein Lehrstück über Vertrauensverlust.
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