Um das mal vorauszuschicken: Özil ist mir scheißegal. Fußball ist mir scheißegal.
Aber ist das nervige Rumgehacke auf Özil, das von nichts anderem getragen wird als der latent rassistischen Grundstimmung in Deutschland und denen, die damit medial und politisch Quote machen, echt nötig? Geschweige denn angemessen?
Diese ständige Skandalisierung der banalsten Geschehnisse geht mir sooooo auf den Sack.
Seit wann erwartet man von Fußballern eigentlich politischen Sachverstand? Ob das Foto mit Erdogan nun richtig war oder nicht, kalkuliert oder einfach nur saudumm, kann uns doch Wurscht sein.
Fakt ist doch: Deutschland macht Geschäfte mir Erdogan, Diktator hin, Kriegstreiber her. Erdogan führt Krieg gegen Teile der türkischen Bevölkerung, und Deutschland liefert die Panzer dazu. Erdogan hält Resteuropa einen Teil der Flüchtenden vom Leib, zu welchem Preis, möchte man gar nicht wissen. Merkel hat Erdogans Hand geschüttelt, Friedensfürst und coolster POTUS ever Obama auch, der Papst, Sigmar Gabriel auch, und wenn loud mouth Heiko muss, dann wird auch er die Hand des Präsidenten schütteln.
Man frage sich auch selbst: Wenn ein Machtmensch wie Erdogan, der dafür sorgen kann, dass deine in der Türkei lebenden Verwandten weggesperrt werden, der dir auf der andern Seite aber auch Türen weit öffnen kann, wenn du in der Türkei Geschäfte machen willst, wenn so jemand dich fragt, ob du ein Foto mit ihm machst: Wer würde da sofort "nein" sagen?
Apropos Obama: Wenn Özil sich mit Obama hätte fotografieren lassen, dem Mann, der Drohnenterror endgültig zu einem legitimen Mittel der Kriegführung gemacht hat, der entschieden hat, im CIA-Folterskandal von einer Strafverfolgung abzusehen, der aber nicht bereit war, Snowden zu begnadigen, der trotz mehrfacher Versprechen den illegalen, dem Völkerrecht widersprechendem Folterknast Guantanamo nicht dicht gemacht hat, wenn Özil sich also mit diesem Mann hätte fotografieren lassen, hätte kein Mensch sich aufgeregt. Denn Image ist alles: Erdogan ist ein schnauzbärtiger, hysterischer, machtgieriger Diktator, Obama ist schwarz, hip und cool.
Heinz Rühmann, Star des deutschen Vor-, Während- und Nachkriegskinos, hat Hitler die Hand geschüttelt. Das hat seiner Beliebtheit nach dem Krieg aber (fast) keinen Abbruch getan.
Fickt euch doch alle, ihr verdammten Heuchler. Plötzlich hat jeder eine Meinung zu Özil, selbst Leute, von denen man noch nie gehört hat, und posaunt diese ungefragt heraus. Sogar
kriminelle Fußballer, die selbst schon allen möglichen Widerlingen aus Politik und Medien die Hand geschüttelt haben.
Das Ganze erinnert mich an den Protest schwarzer Sportler bei der Olympiade 1968 in Mexiko. Zwei schwarze Sprinter symbolisierten damals während ihrer Siegerehrung durch diverse Accessoires ihre Verbundenheit mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Einer der Sportler damals dazu: „Wenn ich siege, bin ich Amerikaner, kein schwarzer Amerikaner. Aber
wenn ich etwas Schlechtes mache, sagen sie, ich sei ein Neger. Wir sind
schwarz und wir sind stolz darauf. Das schwarze Amerika versteht, was
wir heute gemacht haben“ (Quelle: Wikipedia). Man tausche "schwarz" gegen "türkisch" und "Amerikaner" gegen "Deutsche", und voila: Das Zitat könnte 1:1 von Özil stammen. Die naheliegende und einigermaßen schockierende Frage wäre, ob wir heute, 50 Jahre später, in Deutschland eine ähnliche Stimmung haben wie im rassistischen Amerika der 60er Jahre.
Wobei man nicht vergessen darf, dass Özil ja mit seinem Foto wohl nicht einmal ein tiefgehendes politisches Statement abgeben wollte.
Die Reaktion des IOC damals erinnert ebenfalls an die verlogene Moraldebatte heute.
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Mittwoch, 25. Juli 2018
Montag, 16. Oktober 2017
Tatzeit: 14.10.2017, Tatort: Somalia
Na, heute morgen schon jemand sein Facebook-Foto hellblau eingefärbt?
Wieso, fragt ihr?
Na, weil man das doch heutzutage so macht, wenn man ein politisches Statement abgeben will, bzw. Solidarität zeigen will, als "Flagge zeigen", im wahrsten Sinne des Wortes, ohne sich dabei allzusehr engagieren zu müssen.
Wieso hellblau, fragt ihr?
Na, weil das die Flagge von Somalia ist.
Wieso Somalia, fragt ihr?
Na, weil sich da vorgestern einen Selbstmordattentäter in einem Lkw in die Luft gesprengt hat und dabei 231 Menschen ums Leben gekommen sind. Hat keiner mitbekommen? Na sowas aber auch.
Ob das wohl daran liegt, dass es keine Eilmeldungen, Live-Schaltungen und spekulative Studiodiskussionen mit "Terror-Experten" auf sämtlichen Sendern gab*?
Und wieso jetzt nochmal das Facebook-Foto einfärben?
Ja genau, wieso eigentlich? Die "da unten" sterben doch sowieso dauernd. Wenn "die" nicht grade an Ebola sterben oder verhungern oder im Mittelmeer ersaufen, schlagen sie sich doch ohnehin dauernd die Köpfe ein. Da wäre doch das recht euphemistisch als "Mitgefühl" deklarierte Einfärben eines Fotos doch reine Zeitverschwendung. Und da sterben ja dann auch gleich immer so viele! Die machen das doch mit Absicht, die "da unten".
Wenn es nach denen ginge, könnte man ja gleich jeden Tag sein Profilfoto neu einfärben. So!
Nöööööö. Die immense Solidaritätsbekundung, die mit dem beflaggten Profilfoto einhergeht, heben wir uns mal schön für "unsere" Terroranschläge und "unsere" Toten auf. Man muss schon aufpassen, für wen man heutzutage Partei ergreift.
Nicht wahr?
.
..
...
....wie auch immer: Wer also heute mal so richtig was für den Weltfrieden tun möchte oder etwas, das die Lebensbedingungen in Afrika wirklich nachhaltig verbessert, oder auch etwas, das den Trauernden so richtig dolle Trost spendet, der hinterlege sein Profilbild heute mit der somalischen Flagge. Da wird das Karma mal so richtig "geboostet", und man kann mit dem guten Gefühl zu Bett gehen, heute der Weltgemeinschaft mal so richtig gezeigt zu haben, wo der Hammer hängt.
*) Die gestrige "Tagesschau" von 20:00 Uhr zum Beispiel beschäftigte sich knappe 11 der 15minütigen Sendezeit mit der Landtagswahl in Niedersachsen (so als wäre dieser in der gestrigen Berichterstattung zu kurz gekommen). Dem Anschlag in Somalia wurden ganze 30 Sekunden gewidmet, genau so lange wie der nachfolgende Beitrag über den Friedenspreis der Frankfurter Buchmesse.
Zum Vergleich: Beim Attentat von Las Vegas mit 52 Toten zwei Wochen zuvor lief der zugehörige Beitrag in der abendlichen Tagesschau als Aufmacher der Sendung, Dauer: 2 min 30, inclusive Kommentar vom Korrespondenten und einen Hinweis auf eine im Anschluss laufenden Sondersendung zum Thema.
Wieso, fragt ihr?
Na, weil man das doch heutzutage so macht, wenn man ein politisches Statement abgeben will, bzw. Solidarität zeigen will, als "Flagge zeigen", im wahrsten Sinne des Wortes, ohne sich dabei allzusehr engagieren zu müssen.
Wieso hellblau, fragt ihr?
Na, weil das die Flagge von Somalia ist.
Wieso Somalia, fragt ihr?
Na, weil sich da vorgestern einen Selbstmordattentäter in einem Lkw in die Luft gesprengt hat und dabei 231 Menschen ums Leben gekommen sind. Hat keiner mitbekommen? Na sowas aber auch.
Ob das wohl daran liegt, dass es keine Eilmeldungen, Live-Schaltungen und spekulative Studiodiskussionen mit "Terror-Experten" auf sämtlichen Sendern gab*?
Und wieso jetzt nochmal das Facebook-Foto einfärben?
Ja genau, wieso eigentlich? Die "da unten" sterben doch sowieso dauernd. Wenn "die" nicht grade an Ebola sterben oder verhungern oder im Mittelmeer ersaufen, schlagen sie sich doch ohnehin dauernd die Köpfe ein. Da wäre doch das recht euphemistisch als "Mitgefühl" deklarierte Einfärben eines Fotos doch reine Zeitverschwendung. Und da sterben ja dann auch gleich immer so viele! Die machen das doch mit Absicht, die "da unten".
Wenn es nach denen ginge, könnte man ja gleich jeden Tag sein Profilfoto neu einfärben. So!
Nöööööö. Die immense Solidaritätsbekundung, die mit dem beflaggten Profilfoto einhergeht, heben wir uns mal schön für "unsere" Terroranschläge und "unsere" Toten auf. Man muss schon aufpassen, für wen man heutzutage Partei ergreift.
Nicht wahr?
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....wie auch immer: Wer also heute mal so richtig was für den Weltfrieden tun möchte oder etwas, das die Lebensbedingungen in Afrika wirklich nachhaltig verbessert, oder auch etwas, das den Trauernden so richtig dolle Trost spendet, der hinterlege sein Profilbild heute mit der somalischen Flagge. Da wird das Karma mal so richtig "geboostet", und man kann mit dem guten Gefühl zu Bett gehen, heute der Weltgemeinschaft mal so richtig gezeigt zu haben, wo der Hammer hängt.
*) Die gestrige "Tagesschau" von 20:00 Uhr zum Beispiel beschäftigte sich knappe 11 der 15minütigen Sendezeit mit der Landtagswahl in Niedersachsen (so als wäre dieser in der gestrigen Berichterstattung zu kurz gekommen). Dem Anschlag in Somalia wurden ganze 30 Sekunden gewidmet, genau so lange wie der nachfolgende Beitrag über den Friedenspreis der Frankfurter Buchmesse.
Zum Vergleich: Beim Attentat von Las Vegas mit 52 Toten zwei Wochen zuvor lief der zugehörige Beitrag in der abendlichen Tagesschau als Aufmacher der Sendung, Dauer: 2 min 30, inclusive Kommentar vom Korrespondenten und einen Hinweis auf eine im Anschluss laufenden Sondersendung zum Thema.
Montag, 18. September 2017
Tatzeit: 24.09.17, Tatort: Deutschland
Der als sicher geltende Einzug der AfD in den Bundestag ist eine nationale Schande.
Anders kann man das nicht sagen.
Eine Partei, die Stimmung macht mit Ängsten und mit Hass, eine Partei, die mit ihrer Politik die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt,
eine Partei, die die Schwächsten in einer Gesellschaft gegeneinander in Stellung bringt,
eine Partei, deren Spitzenpersonal sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als mißverstandene Opfer geriert,
eine Partei, die immer wieder mit nationalsozialitischer und rassistischer Symbolik und Semantik kokettiert,
eine Partei, die auf die Fragen von morgen nur Antworten von vorgestern zu bieten hat,
eine Partei, deren Wahlprogramm die Lebensrealität ihres eigenen Spitzenpersonals konterkariert,
die trotz Wahlprogramm eigentlich nur ein einziges Thema zu bieten hat
kann keine Alternative für Deutschland sein.
Die AfD hat sich nicht die Verbesserung der Lebenssituation der Bundesbürger auf die Fahne geschriben, sondern zuallererst einmal die Verschlechterung der Lebenssituation einiger Teile der Gesellschaft. Trump läßt grüßen.
Welchem "abgehängten", durch die "Wende" oder durch den Anblick eines Schwarzafrikaners traumatisierten, ostdeutschen Rentners oder Hartzers wird es besser gehen, wenn nach dem Willen der AfD die Grenzen dichtgemacht werden, die Atomkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden, Schwule nicht mehr heiraten dürfen und die D-Mark wieder eingeführt wird?
Ich sag's euch: Keinem einzigen. Keinem einzigen AfD-Wähler aus der "Unterschicht" wird es dadurch besser gehen, keiner wird danach glücklicher oder reicher sein oder objektiv sicherer sein als vorher. Und denen aus der Mittelschicht wohl auch nicht.
Im Gegenteil. Die Spielart des kapitalistischen Egoismus, in dem es ausschließlich "zuerst ich, und was dann noch übrig ist, bekommen eventuell die anderen" heißt, fügt die AfD noch ein "..., wenn sie sich gut benehmen, nicht aufmucken und für die Almosen auch schön dankbar sind" hinzu.
Dieses Denken hat aber erst zu den Problemen geführt, denen wir heute gegenüberstehen: Klimawandel, Umweltzerstörung, Rohstoffkriege, religiöser Fundamentalismus, Massenarmut, Migrationsströme, Finanzkrise, mediale Reizüberflutung bis hin zu der Erkenntnis, dass die Kinder der westlichen Zivilisation ohne Google kein Ei mehr gekocht bekommen.
Was soll's. Die Mehrzahl der Deutschen hat schon immer gegen die eigenen Interessen gewählt, geschweige denn im Sinne eines gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Deutschen wählen traditionell nach dem, was vom Widerhall ihrer persönlichen Echokammer noch als "Bauchgefühl" in ihrer unteren Körperregion ankommt. Man könnte auch sagen, die Deutschen wählen vom Arsch her.
Daran wird dieser Blog hier leider auch nichts ändern.
Anders kann man das nicht sagen.
Eine Partei, die Stimmung macht mit Ängsten und mit Hass, eine Partei, die mit ihrer Politik die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt,
eine Partei, die die Schwächsten in einer Gesellschaft gegeneinander in Stellung bringt,
eine Partei, deren Spitzenpersonal sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als mißverstandene Opfer geriert,
eine Partei, die immer wieder mit nationalsozialitischer und rassistischer Symbolik und Semantik kokettiert,
eine Partei, die auf die Fragen von morgen nur Antworten von vorgestern zu bieten hat,
eine Partei, deren Wahlprogramm die Lebensrealität ihres eigenen Spitzenpersonals konterkariert,
die trotz Wahlprogramm eigentlich nur ein einziges Thema zu bieten hat
kann keine Alternative für Deutschland sein.
Die AfD hat sich nicht die Verbesserung der Lebenssituation der Bundesbürger auf die Fahne geschriben, sondern zuallererst einmal die Verschlechterung der Lebenssituation einiger Teile der Gesellschaft. Trump läßt grüßen.
Welchem "abgehängten", durch die "Wende" oder durch den Anblick eines Schwarzafrikaners traumatisierten, ostdeutschen Rentners oder Hartzers wird es besser gehen, wenn nach dem Willen der AfD die Grenzen dichtgemacht werden, die Atomkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden, Schwule nicht mehr heiraten dürfen und die D-Mark wieder eingeführt wird?
Ich sag's euch: Keinem einzigen. Keinem einzigen AfD-Wähler aus der "Unterschicht" wird es dadurch besser gehen, keiner wird danach glücklicher oder reicher sein oder objektiv sicherer sein als vorher. Und denen aus der Mittelschicht wohl auch nicht.
Im Gegenteil. Die Spielart des kapitalistischen Egoismus, in dem es ausschließlich "zuerst ich, und was dann noch übrig ist, bekommen eventuell die anderen" heißt, fügt die AfD noch ein "..., wenn sie sich gut benehmen, nicht aufmucken und für die Almosen auch schön dankbar sind" hinzu.
Dieses Denken hat aber erst zu den Problemen geführt, denen wir heute gegenüberstehen: Klimawandel, Umweltzerstörung, Rohstoffkriege, religiöser Fundamentalismus, Massenarmut, Migrationsströme, Finanzkrise, mediale Reizüberflutung bis hin zu der Erkenntnis, dass die Kinder der westlichen Zivilisation ohne Google kein Ei mehr gekocht bekommen.
Was soll's. Die Mehrzahl der Deutschen hat schon immer gegen die eigenen Interessen gewählt, geschweige denn im Sinne eines gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Deutschen wählen traditionell nach dem, was vom Widerhall ihrer persönlichen Echokammer noch als "Bauchgefühl" in ihrer unteren Körperregion ankommt. Man könnte auch sagen, die Deutschen wählen vom Arsch her.
Daran wird dieser Blog hier leider auch nichts ändern.
Donnerstag, 7. Januar 2016
31.12.2015, Tatort: Köln
Soll man das Totkommentierte noch weiter kommentieren?
Antwort: ja. Grund: Weil hier nichts zusammenpaßt.
Tatsache heute, 07.01.2016: In der Silvesternacht hat es in Köln Straftaten gegeben, innerhalb einer alkoholisierten Menschenmenge von Kriminellen, Feiernden und kriminellen Feiernden.
Zu diesen Vorgängen gibt es einen Stapel Gerüchte und Mutmaßungen, aber scheinbar wenig Konkretes. Klar ist allerdings, dass die einschlägigen Rechten die Gerüchte, es habe sich bei den Kriminellen um vorzugsweise arabisch aussehende Männer gehandelt ("Wir haben es ja gleich gewußt!"), für ihre Propaganda nutzen - wenig überraschend. Der CSU-Generalsekretär hat soeben im TV in populistischer CSU-Manier gefordert (auch er, ohne Fakten zu kennen), unter anderem Straftäter mit Migrationshintergrund müßten ausgewiesen werden.
Schlaumeier. Laut Stat. Bundesamt hat jeder Fünfte in Deutschland einen Migrationshintergrund (nach 1949), 56% haben einen deutschen Pass. Wohin will er letztere denn ausweisen?
Was alles nicht so recht paßt:
Schauen wir mal in eines der meistgelesenen Netz.Medien, Spiegel Online. Dort stand gestern abend unter der Überschrift "Was wir über die Angriffe in der Silvesternacht in Köln wissen" u.a., es seien 150 Anzeigen eingegangen. Ein Tag später steht bei SpOn, es waren 100.
Es ist immer wieder davon die Rede, der Bahnhofsvorplatz, auf dem das alles geschehen ist, sei geräumt worden. Trotzdem hätten größere Männergruppen Jagd auf Frauen gemacht, die Polizei sei machtlos gewesen. Wie geht das, auf einem geräumten Platz?
Der "interne Polizeibericht" (wenn der intern ist, wieso zitieren dann alle Medien heute daraus?) liest sich wie das Klischee-Handbuch der Rechten, ist zudem in Teilen spekulativ.
Dort werden Polizisten zitiert, z.B. jemand hätte gerufen "Ich bin Syrer, ihr müßt mich freundlich behandeln. Frau Merkel hat mich eingeladen." Man darf wohl davon ausgehen, dass an dem Abend eine Menge gerufen wurde, vor allem Unfreundliches. Warum ausgerechnet dieser Satz herausgegriffen wurde, erfährt man nicht. Auch nicht, ob es sich bei dem Rufer tatsächlich um einen Syrer gehandelt hat (schnell Deutsch gelernt, Hut ab), ob der Satz in Zusammenhang mit einer Straftat gefallen ist oder einfach so.
Ein weiteres herausgehobenes Zitat: Menschen hätten vor den Augen der Polizei Aufenthaltstitel zerissen mit der Ansage, sie würden sich morgen einen neuen holen, danach wird aber gleich gesagt, man wisse nicht genau, was die Leute da tatsächlich zerrissen hätten. Nehmen wir mal an, irgendjemand habe tatsächlich so etwas Hirnverbranntes getan, wie seinen Aufenthaltstitel zu zerreissen (auf dessen Ausstellung laut unterschiedlichen Behörden-Auskünften im Netz man 4-8 Wochen wartet und dessen Wiederbeschaffung 60 Euro kostet): Erstens ist das allein keine Straftat, zweitens: Falls das so passiert ist, wieso hat die Polizei die Schnipsel nicht aufgehoben oder die Person überhaupt an der Handlung gehindert? Was auch hier wieder fehlt, ist die Angabe, ob es sich bei diesen Personen gleichzeitig um Straftäter gehandelt hat.
Desweiteren wird der Bericht zitiert, es eien Zeugen bedroht worden, wenn sie Straftäter benannten.
Preisfrage: Wieso werden Zeugen im Beisein offenbar gewaltbereiter Dritter vernommen? Wenn es Zeugen der angeblich hundertfachen Straftaten gibt, wieso gibt es dann nach sieben Tagen erst 4 Verdächtige, zwei davon in Haft, allerdings "nur" wegen Taschendiebstahls?
Dieser interne Bericht, oder zumindest die Zitate daraus, haben ein "Geschmäckle".
Auf Spiegel Online ist zudem ein kurzes Handyvideo und ein paar Fotos des Abends zu sehen. Darin sieht man verschwommen eine Menschenmenge, augenscheinlich hauptsächlich Männer, die auf der Domplatte herumstehen, hie und da knallt es, und überall sind leuchtende Handys zu sehen, mit denen gefilmt wird. Nichts, was man auf der Domplatte in der Silvesternacht nicht erwartet hätte.
Was ich mich in diesem Zusammenhang von vornherein frage: Wenn tatsächlich Horden betrunkener junger Männer massenweise und organisiert Frauen sexuell belästigt hat, wieso gibt es davon nicht ein einziges Handyvideo? Wenn diese Belästigungen und Vergewaltigungen stattgefunden haben, dann muss es dabei Dutzende von Männern gegeben haben, angetrunken oder nicht, die dabei gestanden und zugeschaut haben. Und von davon existiert nicht ein einziges Video? Wo sonst jeder Hundeschiss gefilmt wird?
Kann natürlich sein, dass nach der Ausnüchterung deren schlechtes Gewissen nicht groß genug ist, ihr Video zur Polizei zu schaffen, um sich nicht den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung gefallen lassen zu müssen. Aber, mal abgesehen davon, dass man so einen Vorwurf auch entkräften oder das Video anonym ins Netz stellen könnte, wäre dann allen gleichzeitig ihr Gewissen abhanden gekommen? Auch irgendwie schwer vorstellbar. Denn auch wenn jetzt wieder reflexhaft das "Frauenbild im Islam" diskutiert wird: Öffentliche Massenvergewaltigungen sind in keiner auch nur annähernd zivilisierten Gesellschaft oder Religion akeptiert. Wobei mir dabei auch die "Wiesn" einfällt, mit hunderten von Straftaten jährlich, davon im Schnitt ein Sexualdelikt pro Tag.
Kann es sein, dass - falls sich die Vorgänge in Köln wirklich so abgespielt haben - die Gründe eher in der Kombination "junge Männer plus zu viel Alkohol" zu suchen sind und nicht in der kulturellen Herkunft?
Und könnte man mal bitte mit aufhören, in die rassistische Hysterie von Rechts mit einzustimmen? Auch noch der gutmeinenste Gutmensch ganz links außen wird eine tatsächliche Straftat, vor allem gegen Frauen, nicht leugnen und verfolgt sehen wollen, egal, wer sie verübt hat. Frauenrechtler finden sich traditionell eher im linken Lager. Insofern muss man auch Sascha Lobo recht geben, der ebenfalls im SpOn schreibt, das plötzliche Interesse der Rechten an Frauenrechten sei nur Fassade für Rassismus.
Antwort: ja. Grund: Weil hier nichts zusammenpaßt.
Tatsache heute, 07.01.2016: In der Silvesternacht hat es in Köln Straftaten gegeben, innerhalb einer alkoholisierten Menschenmenge von Kriminellen, Feiernden und kriminellen Feiernden.
Zu diesen Vorgängen gibt es einen Stapel Gerüchte und Mutmaßungen, aber scheinbar wenig Konkretes. Klar ist allerdings, dass die einschlägigen Rechten die Gerüchte, es habe sich bei den Kriminellen um vorzugsweise arabisch aussehende Männer gehandelt ("Wir haben es ja gleich gewußt!"), für ihre Propaganda nutzen - wenig überraschend. Der CSU-Generalsekretär hat soeben im TV in populistischer CSU-Manier gefordert (auch er, ohne Fakten zu kennen), unter anderem Straftäter mit Migrationshintergrund müßten ausgewiesen werden.
Schlaumeier. Laut Stat. Bundesamt hat jeder Fünfte in Deutschland einen Migrationshintergrund (nach 1949), 56% haben einen deutschen Pass. Wohin will er letztere denn ausweisen?
Was alles nicht so recht paßt:
Schauen wir mal in eines der meistgelesenen Netz.Medien, Spiegel Online. Dort stand gestern abend unter der Überschrift "Was wir über die Angriffe in der Silvesternacht in Köln wissen" u.a., es seien 150 Anzeigen eingegangen. Ein Tag später steht bei SpOn, es waren 100.
Es ist immer wieder davon die Rede, der Bahnhofsvorplatz, auf dem das alles geschehen ist, sei geräumt worden. Trotzdem hätten größere Männergruppen Jagd auf Frauen gemacht, die Polizei sei machtlos gewesen. Wie geht das, auf einem geräumten Platz?
Der "interne Polizeibericht" (wenn der intern ist, wieso zitieren dann alle Medien heute daraus?) liest sich wie das Klischee-Handbuch der Rechten, ist zudem in Teilen spekulativ.
Dort werden Polizisten zitiert, z.B. jemand hätte gerufen "Ich bin Syrer, ihr müßt mich freundlich behandeln. Frau Merkel hat mich eingeladen." Man darf wohl davon ausgehen, dass an dem Abend eine Menge gerufen wurde, vor allem Unfreundliches. Warum ausgerechnet dieser Satz herausgegriffen wurde, erfährt man nicht. Auch nicht, ob es sich bei dem Rufer tatsächlich um einen Syrer gehandelt hat (schnell Deutsch gelernt, Hut ab), ob der Satz in Zusammenhang mit einer Straftat gefallen ist oder einfach so.
Ein weiteres herausgehobenes Zitat: Menschen hätten vor den Augen der Polizei Aufenthaltstitel zerissen mit der Ansage, sie würden sich morgen einen neuen holen, danach wird aber gleich gesagt, man wisse nicht genau, was die Leute da tatsächlich zerrissen hätten. Nehmen wir mal an, irgendjemand habe tatsächlich so etwas Hirnverbranntes getan, wie seinen Aufenthaltstitel zu zerreissen (auf dessen Ausstellung laut unterschiedlichen Behörden-Auskünften im Netz man 4-8 Wochen wartet und dessen Wiederbeschaffung 60 Euro kostet): Erstens ist das allein keine Straftat, zweitens: Falls das so passiert ist, wieso hat die Polizei die Schnipsel nicht aufgehoben oder die Person überhaupt an der Handlung gehindert? Was auch hier wieder fehlt, ist die Angabe, ob es sich bei diesen Personen gleichzeitig um Straftäter gehandelt hat.
Desweiteren wird der Bericht zitiert, es eien Zeugen bedroht worden, wenn sie Straftäter benannten.
Preisfrage: Wieso werden Zeugen im Beisein offenbar gewaltbereiter Dritter vernommen? Wenn es Zeugen der angeblich hundertfachen Straftaten gibt, wieso gibt es dann nach sieben Tagen erst 4 Verdächtige, zwei davon in Haft, allerdings "nur" wegen Taschendiebstahls?
Dieser interne Bericht, oder zumindest die Zitate daraus, haben ein "Geschmäckle".
Auf Spiegel Online ist zudem ein kurzes Handyvideo und ein paar Fotos des Abends zu sehen. Darin sieht man verschwommen eine Menschenmenge, augenscheinlich hauptsächlich Männer, die auf der Domplatte herumstehen, hie und da knallt es, und überall sind leuchtende Handys zu sehen, mit denen gefilmt wird. Nichts, was man auf der Domplatte in der Silvesternacht nicht erwartet hätte.
Was ich mich in diesem Zusammenhang von vornherein frage: Wenn tatsächlich Horden betrunkener junger Männer massenweise und organisiert Frauen sexuell belästigt hat, wieso gibt es davon nicht ein einziges Handyvideo? Wenn diese Belästigungen und Vergewaltigungen stattgefunden haben, dann muss es dabei Dutzende von Männern gegeben haben, angetrunken oder nicht, die dabei gestanden und zugeschaut haben. Und von davon existiert nicht ein einziges Video? Wo sonst jeder Hundeschiss gefilmt wird?
Kann natürlich sein, dass nach der Ausnüchterung deren schlechtes Gewissen nicht groß genug ist, ihr Video zur Polizei zu schaffen, um sich nicht den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung gefallen lassen zu müssen. Aber, mal abgesehen davon, dass man so einen Vorwurf auch entkräften oder das Video anonym ins Netz stellen könnte, wäre dann allen gleichzeitig ihr Gewissen abhanden gekommen? Auch irgendwie schwer vorstellbar. Denn auch wenn jetzt wieder reflexhaft das "Frauenbild im Islam" diskutiert wird: Öffentliche Massenvergewaltigungen sind in keiner auch nur annähernd zivilisierten Gesellschaft oder Religion akeptiert. Wobei mir dabei auch die "Wiesn" einfällt, mit hunderten von Straftaten jährlich, davon im Schnitt ein Sexualdelikt pro Tag.
Kann es sein, dass - falls sich die Vorgänge in Köln wirklich so abgespielt haben - die Gründe eher in der Kombination "junge Männer plus zu viel Alkohol" zu suchen sind und nicht in der kulturellen Herkunft?
Und könnte man mal bitte mit aufhören, in die rassistische Hysterie von Rechts mit einzustimmen? Auch noch der gutmeinenste Gutmensch ganz links außen wird eine tatsächliche Straftat, vor allem gegen Frauen, nicht leugnen und verfolgt sehen wollen, egal, wer sie verübt hat. Frauenrechtler finden sich traditionell eher im linken Lager. Insofern muss man auch Sascha Lobo recht geben, der ebenfalls im SpOn schreibt, das plötzliche Interesse der Rechten an Frauenrechten sei nur Fassade für Rassismus.
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