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Montag, 14. Februar 2022

Friedensbewegung ist tot

Sagt mal, habt ihr sie eigentlich noch alle?
Da wird vor aller Augen direkt vor unserer Haustür ein Krieg eingerührt, und keiner erhebt seine Stimme?

Actually NIEMAND???

Wo ist die ARD-Sondersendung darüber, dass sich hier Nationen mit Atomwaffen gegenüberstehen?

Wo sind die Friedensappelle, wo sind die Aufschreie aus der Politik, aus Kunst und Kultur, aus der Bevölkerung? Haben die Grünen ihre Gründungsideale vergessen, ihr Ursprünge in der Friedensbewegung? Haben die Linken solche Angst davor, Putin-Versteher genannt zu werden?

Wieso geht da keiner auf die Straße? Zu kalt? Zu unsexy?

Da behaupten die USA, es gäbe Geheimdienst-Beweise, die belegen, dass Russland die Invasion der Ukraine plant. Vorlegen können sie die Beweise natürlich nicht, weil " Quellenschutz". Im Irak-Krieg haben sie sich wenigstens die Mühe gemacht, Beweise zu fälschen.

Wo sind denn die aufrechten Journalisten, die daran erinnern, dass es in den USA eine häßliche Tradition gibt, Kriege mit vorgeschobenen Propaganda-Lügen zu rechtfertigen? Nie jemand "wag the dog" gesehen? 

Footage dazu, das man im deutschen Fernsehen nicht zu sehen bekam:

https://twitter.com/thehill/status/1489336004637044746

Stattdessen seh ich, wie in Tagesschau und Co. die Mär der Geheimdienst-Beweise nachgeplappert wird. Es wird berichtet, als wäre der Krieg nicht mehr zu verhindert und eine allgemein akzeptierte Tatsache. Nicht eine einzige Gegenstimme, keine Zweifler an der amerikanischen Darstellung, keine Altpolitiker als Mahner vom Schlage eines Genscher, Schmidt oder Geißler.

Aber es wird quer durch die Presselandschaft berichtet, dass Herta Müller sich für Waffenlieferungen ausspricht. Toll. Mal abgesehen davon, dass sich Müller als Tochter eines Waffen-SS-Soldaten solche Äußerungen vielleicht zweimal überlegen sollte: Welche gesellschaftliche Relevanz hat diese Wortmeldung einer fast traditionell russlandfeindlichen Literatin mit eindimensionalen Coeuvre, dass sie derart breitgetreten wird? Wo sind die Meldungen über Künstler, die sich gegen die Kriegstreiberei wenden? Wo sind die alten Granden wie Niedecken, Westernhagen, Lindenberg - habt wenigstens ihr noch was zu sagen, wenn schon der Rest der deutschen Musik- und Künstlerszene keine Haltung mehr zu haben scheint?

Ja, wo sind die eigentlich? Haben die alle Angst, dass ihnen jemand Antiamerikanismus vorwirft?

Blöd natürlich, dass man bei dem Abgekulte von Putin und dem Amerika-Hass in AfD- und Schwurblerkreisen immer aufpassen muss, dass man nicht Beifall aus der "falschen Ecke" kriegt. Aber mal ehrlich: Sind wir echt so eindimensional diskursunfähig, dass wir das nicht mehr auseinander halten können? Dass nur noch in Schubladen und an Shitstorms gedacht wird? Sollten tatsächlich alle "Kräfte der Vernunft" lieber schweigen, aus Angst, mit Schwurblern in der falschen Schublade zu landen und da nicht mehr rauszufinden? Also im Zweifel lieber zuschauen, wie Kriegshetzer unwidersprochen die Medien dominieren, als zu riskieren, mißgedeutet zu werden?

Mein Punkt ist: Wo sind die Deutschen, die sich deutlich gegen einen Krieg aussprechen? Die der ganzen Säbelrasselei eine klare Absage erteilen? Ist das Pazifistischste, was Deutschland fertig bringt, tatsächlich ein Olaf Scholz, der 5000 Helme in die Ukraine schickt?

Oder seid ihr alle in Schockstarre, weil niemand wahr haben will, dass in Europa nochmal ein heißer Krieg ausgefochten werden könnte? Nur 27 Jahre nach dem Ende des Jugoslawien-Kriegs?

Von Berlin nach Kiew ist es ungefähr genau so weit wie von Berlin nach Rom, in die Normandie oder an die Cote d'Azur. Bzw. ca. zwei Flugstunden. Von Berlin bis nach Weißrussland ist es ungefähr soweit wie zum Balaton. In Anbetracht dessen, dass Kriege nicht mehr mit Pfeil und Bogen geführt werden, ist das GAR NICHTS.

Mir liegt nichts ferner, als von "Systempresse" zu schwurbeln. Aber es ist schon auffällig, wie unwidersprochen die Kriegsrhetorik und Sichtweise der NATO in den Medien repliziert wird.

Mein Punkt ist nicht, Russlands Absichten zu hinterfragen oder Putin einen feinen Kerl zu nennen. Oder anders nochmal darauf hinzuweisen, dass die USA seit 200 Jahren wie selbstverständlich überall auf der Welt Militärbasen unterhalten, Kriege und Invasionen vom Zaun brechen und die NATO Manöver abhält, wo sie grad lustig ist, während man Russland mit Krieg droht, weil die IM EIGENEN LAND ein Manöver zelebriert.

Wer sich für sowas interessiert, der mag sich in diesen interessanten Vortrag vertiefen:


Dienstag, 14. Juni 2016

Tatzeit: Grad eben, Tatort: Frankreich

Ausschreitungen bei der EM - was für ein lächerliches Propaganda-Spektakel.

Da wird die französische Polizei, angeblich auf Terroristen mit Bomben und Sturmgewehren tip-top vorbereitet, völlig davon überrumpelt, dass auch gewaltbereite Hooligans angereist sind.

Haben die 1998 nicht aufgepasst? Die Bilder von damals und heute gleichen sich. Randalierende Hooligans in der Innenstadt, randalierende Hooligans im Stadion, und die sich angeblich in ständiger Alarmbereitschaft befindliche Polizei ist irgendwo am Rand.

Aber gottseidank hat ja NATO-Europa ein altes/neues Feindbild, das auch zur EM herausgekramt wird: Der böse Russe. "Hochtrainiert" und "top organisiert" sollen sie laut letzten Presse-Meldungen sein, die russischen Hooligans. Deswegen habe man auch noch keinen von ihnen verhaften können. So, als handele es sich nicht um gewaltbereite Randalierer, sondern um eine KGB-Spezialeinheit. Klar, denn wer sonst könnte dem Zugriff der super-duper aufgestellten, trainierten und bis an die Zähne bewaffneten französischen Polizei entgehen als russische Undercover-Hooligan-Spezialeinheiten.

Bin gespannt, wann der erste "unabhängige" Journalist herausfindet, dass Putin selbst den Hools die Flugtickets nach Frankreich bezahlt hat. Mit einer syrischen Kreditkarte.

Vor dem Hintergrund hunderter sich prügelnder Menschen mal eine kurze Bestandsaufnahme: Die Polizei hat 10 Personen festgenommen. Zehn. Frage: Warum nur zehn? Waren die deutschen, österreichischen, englischen und französischen Hools etwa auch "hochtrainiert" und "top organisiert"? Oder warum sitzen die nicht auch im Knast?

Unter den zehn sei auch ein Russe, wird gemeldet. Erstaunlich. Wie haben sie den denn erwischt? Hat die französische Luftwaffe den vom Eiffelturm heruntergeschossen? Hat Francois Hollande die Avengers zu Hilfe gerufen?

Da passt es natürlich ins Bild, dass ein "hochrangiger" russischer Politiker den russischen Hooligans angeblich applaudiert haben soll. Und wer ist dieser "hochrangige" Funktionär? Igor Lebedew, der Sohn von Wladimir Schirinowski, der wegen seiner Nazi-Parolen in den 90er Jahren ständig in irgendwelchen deutschen Talkshows saß. Ein nationalistischer Populist, der zwar der drittstärksten Regierungspartei angehört, aber nicht mal im Parlament sitzt. Der vor 4 Jahren mal als Vorsitzender des russischen Fussballbundes kandidiert hat und gleich im ersten Durchgang rausgeflogen ist.
So ein "hochrangiger" Politiker ist das. Was der sagt, hat etwa denselben Stellenwert, als wenn ein AfD-Funktionär sagt, keiner wolle Boateng als Nachbarn.

Wieso hat man eigentlich manchmal das Gefühl, dass, wenn die Welt ein Dorf ist, die Presse sich am liebsten auf das stürzt, was der Dorftrottel von sich gibt? Ist das jetzt Inklusions-Journalismus, oder was soll das sein? Den Deppen eine Stimme geben?

Was sagt denn Russland sonst so zu den Krawallen? Laut "Sputnik" (pro-russisch) hat Sportminister  Wutko angekündigt, alle russischen Hooligans, die an den Ausschreitungen beteiligt waren, zu bestrafen. Bei der westlichen Presse, egal in welches Organ man schaut, liest man hauptsächlich "Wutko kritisiert", "Wutko attackiert", "Wutko moniert" - nämlich die Sicherheitsvorkehrungen. Von den Strafandrohungen dagegen kaum ein Wort.
Wer lügt denn jetzt, bzw.: Wer läßt hier am kreativsten Fakten aus? Vermutlich der böse Russe.
Aber es wird noch besser. Im Netz, und damit auch in der Presse, kursiert ein Video, dass den Sportminister zeigt, wie er, neben dem Tor stehend, dem russischen Fanblock zuwinkt. Dazu werden nun Mutmaßungen angestellt (und wenn heutzutage nur vermutet wird, dann weiss man schon, dass an einer Sache nicht viel dran ist), der Sportminister hätte womöglich die Hooligans angefeuert.

Dabei kommt mir ein Gedanke: Würden sind deutsche Hooligans davon beflügeln lassen, dass Thomas de Maiziere ihnen zuwinkt? Der ist nämlich in Deutschland für dem Sport zuständig.
Was für eine absurde Vorstellung. Aber Propaganda lebt ja nicht von ihrem Wahrheitsgehalt, sondern davon, dass genügend Leute sie für wahr halten. Und dass die Deutschen für Propaganda-Lügen zu haben sind, haben sie in zwei Weltkriegen bewiesen, und beweisen es noch heute jeden Montag in Dresden und andernorts.

PS: Hab die UEFA vergessen. Die schönt die Bilder, bzw. zensiert die unpopuläre, unschicke Seite des Fußballs, statt sie zu bekämpfen. Wär ja auch noch schöner, wenn man all die schönen Fußball-Millionen mal in etwas Sinnvolles investieren würde. Und ARD und ZDF, bekanntermaßen Bollwerke des unabhängigen, kritischen Journalismus, protestieren dagegen und feiern sich dafür.
Was darf Satire denn noch alles?

Freitag, 25. März 2016

Dringende Seh-Empfehlung

Ken FM im Gespräch mit Eugen Drewermann.

Versprochen: Die besten 1h45, die ihr in letzer Zeit investiert habt. Was für ein feiner Mensch.

Den nervigen Ken Jebsen mit seinen Suggestivfragen kann man ja ausblenden.




Mittwoch, 1. April 2015

29.03.2015, Tatort: Russland / USA

Zunächst mal: Ich bin kein "Russland-Versteher". Ich kann die Schwarz-Weiß-Malerei der Anti-USA-Deutschland ist besetzt-Verschwörungstheoretiker nicht ab. Allein schon, weil sich hier plumpe Anti-Amerikanisten, Nationalisten, Ultralinke und völkische Esoterik-Spinner zu einem unausgegorenen Mix verquirlen, der immer mindestens auf einem Auge blind ist.

Genau so sehr aber lehne ich die hiesigen "Qualitäts-Medien" ab, die sich das vorbehaltlose Wiederkäuen von überwunden geglaubter, anti-russischer Kalter-Kriegs-Rhetorik zur Aufgabe gemacht haben, allen voran leider die öffentlich-rechtlichen.

Ein Blog, das sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, Entgleisungen letzterer zu entlarven, wäre https://propagandaschau.wordpress.com/.
Obwohl der Blog rhetorisch immer mal wieder ins Verschwörungstheoretische abgleitet, sind dort doch ein paar recht interessante Beobachtungen  festgehalten. Entdeckt habe ich dort auch folgenden, recht differenziert erscheinender Artikel bzw. Link, für den ich eine klare Lese-Empfehlung ausspreche:

http://logon-echon.com/2015/03/09/moskau-ein-reisebericht/

Die Lektüre hat mich inspiriert, tatsächlich mal nachzuschauen, wie es in den USA um die Rechte von Minderheiten bestellt ist. Nicht um zu relativieren oder Zahlen zu jonglieren, sondern um mal zu schauen, wieviel davon in der deutschen Presse landet. Insbesondere, nachdem uns regelmäßig Horrormeldungen über die Rechte Homosexueller in Rußland erreichen.
Netterweise hat mir ein amerikanischer Journalist die Aufgabe weitgehend abgenommen, die USA mit Rußland zu vergleichen.

Wer sich die 129 Seiten umfassende Abhandlung nicht zu Gemüte führen möchte, dem sei hier das Ergebnis grob zusammengefasst: Die russische Gesetzgebung ist in weiten Teilen fortschrittlicher als in den USA. Die öffentliche Meinung wiederum ist in Russland um einiges homo-feindlicher als in den USA, wobei es zwischen den US-Bundesstaaten teilweise deutliche Unterschiede gibt.
Allerdings sind in den USA 100 mal mehr "hate crimes" gegen Homosexuelle dokumentiert, Dunkelziffern sind in beiden Staaten vorhanden, die Höhe unklar.

Weder die USA noch Rußland sind also Homosexuellen-Paradiese. Wie aber sieht die Berichterstattung in deutschen Medien aus?

Das Google-Ergebnis verwunderte mich dann nicht sonderlich.  

Während man in deutschen Medien, von NGOs und von Lobby-Organisationen allerlei Schreckliches über Rußland erfahren kann, erfährt man von den USA zum selben Thema zunächst erstmal lauter Lobhudelei über verbesserte Gesetzgebung. Will man Zahlen und Fakten wissen, muss man sich hauptsächlich durch Blogs und ausländische Webseiten wühlen. Einzig bei Spiegel Online bin ich fündig geworden.

Eine ausgewogene Berichterstattung findet man nicht. Stattdessen viel Schwarz-Weiß-Malerei, die streng nach Propaganda riecht.

Friedrich Küppersbusch hat es zuletzt in einem Interview auf den Punkt gebracht: Der politische Journalismus in den ÖR-Medien befindet sich aufgrund seiner Nähe zu den Parteien in einem "Dolmetscher-Modus": "Wir erklären euch, was Siggi Gabriel gemeint hat" statt "Wir sagen Siggi mal, wo der Hammer hängt".
Warum die Privaten (Sender und Presse) mit wenigen Ausnahmen in dieselbe Kerbe hauen, ist  nicht ganz klar. Vermutlich ist es einfach billiger, einmal Vorgekautes oder von Propaganda-Kanälen kostenlos bereitgestelltes Material zu übernehmen, statt aufwendig selbst zu recherchieren. Vielleicht will man sich auch das Verhältnis zu Parteien, Politikern und auch Werbepartnern nicht kaputtmachen - man ist ja voneinander abhängig.

Zurück bleibt leider das Gefühl, dass man keinem Medium so recht trauen kann. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen der Fülle an verfügbaren Informationen fühlt man sich seltsam desinformiert.
Jeder geht mit diesen Gefühlen unterschiedlich um. Die einen glauben mit starrsinniger Verzweiflung alles, die andern mit resignierender Verbitterung nichts. Die einen schreien "Lügenpresse", die andern schalten ab und blenden aus, die nächsten suchen sich im Netz die notwendigen Steinchen für ihr eigenes Weltbild-Mosaik.

Ein Lehrstück über Vertrauensverlust.

Samstag, 28. März 2015

27.03.2015, Tatort: Berlin. Deutschland. Überall.

Wir leben in einem seltsamen Land.

Heute wurde in Berlin ein Gesetz verabschiedet, dass angeblich außer der CSU keiner will. Mit großer Mehrheit und den Stimmen der SPD.

Dem Westen steht vielleicht ein heißer Krieg mit Rußland bevor. Direkt vor unserer Haustür.
Merkel tut: Nichts.
Die Euro-Zone steht eventuell vor einer schwerwiegenden Währungskrise und Rezession. In Deutschland könnte es in den nächsten Jahren so werden wie in Südeuropa, mit Massenarbeitslosigkeit, bitterer Armut und sozialer Kälte.
Merkel tut: Nichts. Gießt mit ihrer Erpresserhaltung gegenüber den Griechen noch Öl ins Feuer.
Mit Abstand beliebtester Politiker, Tendenz steigend: Angela Merkel.

Aktuell bequemster Job (sagen Streik-Gegner und Fluggäste): Lufthansa-Pilot.
Aktuell undankbarster Job (sagen Lufthansa-Piloten, Fluggäste und alle andern): Germanwings-Pilot.

Vorratsdatenspeicherung, TTIP, Quotenregelung, Netzneutralität, Marihuana, Kryptographie, G8, G9, G20, Inklusion, Gentrifizierung. Usw usw.
Haben alle schonmal gehört. Kaum einer weiß, was es ist. Trotzdem - oder deshalb - sind die meisten dagegen. Oder eben dafür, je nachdem.
CDU und SPD machen es trotzdem.Oder eben nicht, je nachdem.
Kausalkette des Absurden.

Wir führen biometrische Ausweise ein, um Terroristen zu fangen. Denen, von denen wir wissen, dass sie Terroristen werden könnten, nehmen wir sie weg.
Wir machen Flugzeugtüren bombensicher. Um Menschenleben zu retten. Und bringen damit Menschen um.

Was wird abgesagt, weil ein Fernsehsender seine Pietät zum Ausdruck bringen will? Mitunter die einzigen Formate, die noch wissen, was "Pietät" bedeutet: Satire-Sendungen.
Was darf weiter laufen? Der ganze andere, gänzlich pietätlose Scheiß.

Wollen bei Amazon Prime Kunde sein: Alle. Weil man für Versand nix zahlt.
Wollen bei Amazon arbeiten: Keiner. Weil man im Versand nix verdient.

Voll der böse Russe: Wladimir Putin. Hat noch nie mit einer Drohne eine Hochzeitsgesellschaft verdampfen lassen. Mag dafür keine Schwulen.
Voll der gute Ami: Barack Obama. Hat versehentlich schon 150 (und ein paar zerquetschte) Kinder umbringen lassen, aber dafür zwei Truthähne begnadigt.
Übrigens, voll der gute Russe: Helene Fischer.

Ein Asylbewerberheim anzünden: Geht so.
Ein Auto anzünden: Geht gar nicht.

Wir leben in einem seltsamen Land, in einer seltsamen Welt.

Als würden wir alle in einem gigantischen Loriot-Sketch mitspielen, der niemals endet. Die Teutonen-Version von Dantes Inferno.

Donnerstag, 18. September 2014

18.09.2014, Tatort: Schottland

Kann mir bitte nochmal jemand erklären,

- warum das Kosovo sich einseitig von Serbien lossagen konnte, was der Westen bzw. die NATO-Mischpoke einstimmig begrüßten,

- sich unter internationalem Beifall sämtliche Sowjetstaaten, die wollten, sich von der UdSSR lossagen durften, mit ausdrücklicher Zustimmung der Russen,

- sich Schottland per Volksentscheid einseitig vom United Kingdom lossagen darf, ohne befürchten zu müssen, dass Cameron Bomber losschickt,

- die Bayernpartei seit Jahrzehnten ungestraft von der Unabhängigkeit Bayerns faseln darf, ohne dass denen jemand die Konten sperrt, man darf die sogar wählen,

aber wenn sich Krim und Donbass einseitig von der Ukraine lossagen, der Westen Gift und Galle geifert und die Panzer aus der Garage holt?

Donnerstag, 31. Juli 2014

Leseempfehlung

"Lüge in Kriegszeiten" (heise.de)

Kommentar zur Ukraine-Krise (Stern)

Offenbar finden sich langsam doch ein paar Medien bereit, aus dem Chor der Anti-Russland-Kriegspropaganda-Plärrer auszuscheren und einen etwas differenzierteren Blick auf die Vorgänge zu werfen.

Montag, 28. Juli 2014

28.07.2014, Tatort: Europa

Europa hat sich nun "endlich" dazu durchgerungen, Rußland mit Sanktionen abzustrafen. Kein Wunder, die USA haben ja lange genug gequengelt.
Was ich mich nur die ganze Zeit frage: Warum eigentlich? 
Bisher liegt doch nur der unbewiesene Vorwurf auf dem Tisch, dass die Russen irgendwie die Hauptschuldigen am Ukraine-Konflikt sind. Wie sich das mit der Krim und dem Völkerrecht verhält, darüber kann man sich auch lange streiten. Die Lage in der Ukraine ist bestenfalls unübersichtlich.
Und aufgrund dieser vagen Ausgangslage straft die EU Putin ab und gefährdet weiter das ohnehin strapazierte Verhältnis zur Russischen Föderation? Was ist denn aus dem Prinzip "in dubio pro reo" geworden?

Was vielleicht noch unglaublicher ist: Man darf wohl, zumindest was Europa betrifft, von einer Rundum-Überwachung jeglicher Kommunikation in Westeuropa ausgehen. Außerdem von der Überwachung sämtlicher Flugbewegungen allgemein und der Situation in der Ukraine im Speziellen, und zwar mit allem, was der Westen an Lausch- und Späh-Technologie so aufzubieten hat. Und trotzdem scheint kein Mensch zu wissen, wer die Maschine abgeschossen hat. Oder weiß es, sagt aber nix. Aus was für Gründen auch immer.
Man kann mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit behaupten (genau weiß man auch das nicht), dass es sich um einen Unfall gehandelt hat. Denn keine Partei profitiert vom absichtlichen Abschuss einer zivilen Maschine. So etwas läßt jede Konfliktpartei zum Paria werden, egal wie vorher die Sympathien verteilt waren.

Andererseits scheint der komplette Westen ohnehin schon zu wissen, wer hinter dem Abschuss steckt. Glaubt man den Polemiken in der westlichen Welt, muss man den Eindruck gewinnen, Putin höchstpersönlich hätte das Flugzeug abgeschossen, mit freiem Oberkörper und einem hämischen Film-Bösewicht-Lachen.

Putin selbst sagt nicht viel, außer: Warten wir ab und tragen alle Beweise zusammen. Nicht, dass ich für Russen im allgemeinen oder Putin im Speziellen besondere Sympathien hegen würde, im Gegenteil. Aber die primitive Festlegung auf das Bild des „bösen Russen“ ist absolut lächerlich, gefährlich lächerlich. 

Man darf Putin für seine besonnene Haltung eher gratulieren, angesichts der Hetze, der sich Russland seit Beginn des Ukraine-Konflikts ausgesetzt sieht. Traurig ist es, mit anzusehen, wie wenig die westlichen Staaten, EU und NATO bereits sind, ihre eigene Rolle in diesem miesen Spiel zu reflektieren. Da wären die nicht eingehaltenen Garantien, was die Ausweitung der NATO angeht. Da wäre die unverhohlene Unterstützung der EU für eine ukrainische Regierung, die sich zum Teil aus Neonazis zusammensetzt, und die als erste Amtshandlung die Rechte der russischen Minderheit in der Ukraine eingeschränkt hat.
Was hätten (und haben in der Vergangenheit) die USA alles getan, um befreundete Regime und Diktatoren oder auch ihre im Ausland lebenden Landsleute zu unterstützen? Das ausgerechnet im Washington die größten Kritiker der russischen Politik sitzen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Da ist es nur gut von  Jan Augstein, im SPON nochmal an den versehentlichen Abschuss eines iranischen Zivilflugzeugs durch die Amerikaner im Jahr 1988 zu erinnern.

Die traurige Realität ist doch: Wo Krieg ist, sterben immer auch Unbeteiligte. (Der Begriff „Kollateralschaden“ hat es im Rahmen der NATO-Berichterstattung zum Kosovo-Krieg 1999 zum „Unwort des Jahres“ gebracht.)
Ein Grund mehr, alle Kräfte zu mobilisieren, Konflikte ohne Waffen beizulegen und auch in der Rhetorik mit Besonnenheit zu Werke zu gehen. Es sind schon (Welt-)Kriege aus geringfügigeren Gründen vom Zaun gebrochen worden. Schlimm genug, dass die Weltpolitik wieder über das atomare Gleichgewicht diskutiert, seit die NATO (!) mit dem Bau ihrs Abwehrschirms in Osturopa begonnen hat. 
Da gehört es zu den bizarren Randnotizen dieses Konflikts, dass mitten in der der Krise, während eifrig diskutiert wird, wie und in welchem Umfang Russland nun bestrafen bzw. sanktionieren soll, die Franzosen darauf bestehen, den Russen (also dem nach NATO-Duktus „Aggressor“ in dem Konflikt) zwei Kriegsschiffe zu verkaufen. 

Gut für den Westen, dass es „nur“ Schiffe sind und keine Flugabwehrsysteme. Wie hätte das denn erst ausgesehen?

Wem das als Denkanstoß noch nicht reicht, der möge sich mal die Geschichte des US-Bundesstaates Texas anschauen. Und dann mal die Rhetorik vergleichen zwischen den Separatisten von Alamo ("Freiheitshelden") und denen aus der Ostukraine ("Terroristen").